Wohnhaus
Blumenstraße 9 · Altstadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8177 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Blumenstraße 9, 50670 Köln |
| Baujahr | 1876 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 16.10.1997 |
| Stadtteil | Altstadt/Nord |
1876 errichtet (inschriftlich datiert im Giebel); dreigeschossiges traufständiges Gebäude mit ausgebautem Dachgeschoß, rückseitig als Vollgeschoß.
Straßenfassade: Drei Achsen, axialsymmetrische Anlage mit Betonung der Mittelachse durch Hauseingang und Zwerchhausgiebel; Putzfassade mit Stuckgliederungen in stilistischen Anklängen an Klassizismus und Renaissance, rechteckige Tür- und Fensteröffnungen, Haustür mir Oberlicht und zwei ungleichen Flügeln in Holz erneuert, Fenster mit Sprossenteilung in Holz erneuert, dabei Orientierung an einem originalen Fenster auf der Rückseite; straßenseitig ausgebautes Mansarddachgeschoß mit zwei originalen hölzernen Gauben mit segmentbogigen Dächern; nicht ausgebauter Spitzboden mit neueren kleinen Dachflächenfenstern; Dachdeckung z. T. erneuert mit Doppelmuldenfalzziegeln aus Beton, im straßenseitigen unteren Steilbereich Schieferdeckung.
Rückseite: Vier Geschosse; drei Achsen, mittlerer Risalit auf rechteckigem Grundriß mit abgeschrägten Ecken, im 3. Obergeschoß aufgesetzter Balkon; Fassade backsteinsichtig mit gegliedertem Dachgesims an Traufe und Risalit; stichbogige Tür- und Fensteröffnungen, betonte Sohlbänke; Hoftür und Balkontüren erneuert, Fenster wie straßenseitig erneuert, ein originales Fenster in der rechten Achse im 2. Obergeschoß.
Der spätere Anbau einer Loggia im Erdgeschoß und eines Balkons im 1. Obergeschoß ist nicht Bestandteil des Denkmals.
Im Inneren original erhalten:
Im Entrée Bodenbelag aus schwarz-weißen Marmorplatten in Rautenmuster verlegt, Wandstuck aus je zwei Feldern mit profilierten Rahmen, Deckenstuck aus rechteckigem Spiegel mit Hohlkehlen, Profilleisten und Zahnschnitt; stichbogige Stützbogenöffnung zum Treppenhaus mit unterseitiger Rosette.
Im Treppenhaus Fortsetzung des Bodenbelags vom Entrée; im hinteren Bereich schwarz-weißer Terrazzoboden, dort auch seitliches hölzernes Brüstungsgeländer, Kellertür in Holz erneuert, Wandschrank mit zweiflügeliger Tür, eine Tür auf der rechten Seite, historische Zwischentür mit Verglasung; Wohnungstüren sowie Türen der ehemaligen Aborte und der Wandschränke auf den Absätzen erneuert; Deckenstuck an Unterseiten der Absätze; in den Wohnungen Grundrisse verändert, spätere Bad- und Toiletteneinbauten, Zimmertüren erneuert.
Bestandteil des Denkmals ist auch der rückwärtige Garten mit seitlichen Einfriedungsmauern aus Backstein mit gefirsteten Deckplatten.
Die Blumenstraße wurde als eine der jüngeren Straßen erst in der Mitte der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts am Rande des nordwestlichen Altstadtareals angelegt.
Das Gebiet wurde damals noch von der mittelalterlichen Stadtmauer begrenzt, deren Verlauf durch die heutigen Wallstraßen angezeigt wird. Der Gereonswall verläuft in unmittelbarer Nähe der Blumenstraße, die die Verbindung zwischen Probsteigasse und Gereonsmühlengasse darstellt, beides Straßen, die auf die ehemalige Umwallung zuliefen. Der Name der Blumenstraße leitet sich von ihrer Lage in einem ehemaligen Gartengelände ab. Während noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts innerhalb des Stadtmauerrings Platz für ausgedehnte Gärten war, nahm die Bevölkerungszahl mit der Industrialisierung und dem Aufblühen des Eisenbahnverkehrs sprunghaft bis zur Verdreifachung in wenigen Jahrzehnten zu. Diese Situation führte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zur Anlage neuer Straßenzüge und schließlich zur NeustadtErweiterung.
Das o. g. Haus Blumenstr. 9 ist, abgesehen von dem Eckgebäude zur Probsteigasse 40, das einzige, das von der Erstbebauung der Straße erhalten ist.
Laut Inschrift im Jahre 1876 errichtet, dokumentiert es die gründerzeitliche Architektur der Kölner Altstadt, die im Zuge der Ausweitung der Bebauung nach der Jahrhundertmitte, aber noch vor der Niederlegung der Stadtmauer ab 1881 entstand.
Die Dreigeschossigkeit des Gebäudes entspricht der noch relativ kleinmaßstäblichen Bauweise dieser frühen Ausbauphase der Altstadt, während die Gebäudes nach 1880 zumeist viergeschossig errichtet wurden.
Durch die mittlere Eingangsachse der Front werden dem Gebäude palaisartige Züge verliehen.
Charakteristisch für die Bauzeit ist die stilistische Orientierung der Fassadengestaltung am Klassizismus unter Verwendung von Schmuckelementen aus der Renaissance.
Diese konzentrieren sich besonders an der durch Portal und Zwerchhaus akzentuierten vertikalen Mittelachse als reiche Gebälk- und Giebelformen mit Pilastern, Voluten und Konsolen. Die horizontale Gliederung der Fassade in Geschoßebenen wird dagegen mit durchlaufenden Geschoßgesimsen, aufwendigem Quaderfugenschnitt im gesamten Erdgeschoß und konsolgestützten Dachgesims mit Zahnschnittfries hervorgehoben. Als Besonderheit sind die beiden originalen segmentbogig abschließenden Gauben zu erwähnen.
Zwar ist in den Wohnräumen die originale Ausstattung verloren, jedoch ist sie im Treppenhaus weitgehend erhalten. Auch die rückseitige Backsteinfassade ist im wesentlichen in ihrem ursprünglichen Bestand erhalten.
Bei den Wiederherstellungen der Nachkriegszeit erfolgte, wie beispielsweise bei den Fenstern, eine Orientierung an den ursprünglichen Formen, so daß der Charakter des Gebäudes nicht nachteilig beeinflußt wurde.
Aufgrund des noch in umfangreichem Maße erhaltenen originalen Baubestandes sowohl des Inneren als auch des Äußeren mit qualitätvollen Stuckdetails der straßenseitigen Fassade ist das o. g. Haus Blumenstr. 9 unbedingt zu erhalten. Städtebaulich setzt es in der Straßenbebauung der Nachkriegszeit einen Akzent, der zum einen einen Hinweis auf die Entstehungsgeschichte der Straße und der näheren Umgebung gibt.
In diesem Zusammenhang ist auch der rückwärtige Garten mit Bezug auf das vormals gärtnerisch genutzte Gelände zu nennen. Zum anderen besitzt das Gebäude auch einen wichtigen Aussagewert für die Entwicklungsgeschichte der Kölner Altstadt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Es stellt deshalb ein unverzichtbares Denkmals dar.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0