Wohnhaus
Merheimer Straße 160 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8234 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Merheimer Straße 160, 50733 Köln |
| Baujahr | 1895 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 22.12.1997 |
| Stadtteil | Nippes |
Erbaut 1895, 4-geschossiges, 4-achsiges Wohnhaus mit Satteldach und 3-geschossigem rückwärtigem Seitenflügel mit Pultdach. Putzfassade mit Stuckgliederungen des Neorokoko.
Fassade: EG vollkommen verändert: bis Brüstungsgesims des 1. OG marmorverkleidet, Haustür erneuert, ursprüngliche Fensteröffnungen zu querrechteckigem, dreigeteiltem Fenster umgebaut. Im 1. bis 3. OG jeweils 4 hochrechteckige Fenster auf Brüstungsgesimsen angeordnet, die beiden mittleren Achsen auf leicht angedeuteter risalitartig vorspringender Putzfläche besonders hervorgehoben, reiche Fensterrahmungen und -verdachungen, stark vorkragendes Konsoltraufgesims (Veränderungen: alle Fenster erneuert, Holz (1. OG) bzw. Kunststoff (2. und 3. OG), Oberlicht und Einscheibenfenster).
Rückseite: Backstein geschlämmt, im EG teilweise verputzt, im Vorderhaus und im Seitenflügel je zwei Fensterachsen, im Winkel zwischen beiden Bauteilen zurückspringende Achse mit Treppenhausfenstern und Hofzugang mit Stufen zum Hof. Verändert: Fensteröffnungen teilweise verkleinert, Fenster erneuert (Holz), in schmaler Rückseite im Dachbereich ein Fenster eingebrochen, kleiner eingeschossiger Anbau an Vorderhaus, im Hof spätere Schuppen und Hof vollkommen betoniert.
Innen original: verändert: Treppe nach dem Krieg erneuert (Holztreppe, Metallgitterstäbe und Mipolamhandlauf), Wohnungstüren erneuert, Linoleumfußboden, im Vestibül neue Boden- und Wandfliesen. Backsteinkeller mit Kappendecken.
Nicht zum Denkmal gehörig ist der betonierte rückwärtige Hof mit den späteren Anbauten und Schuppen.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde aus dem 1888 nach Köln eingemeindeten ehemaligen Bauerndorf Nippes ein bedeutender Industriestandort mit rasch anwachsender Arbeiterbevölkerung. Noch heute prägen diesen Stadtteil im wesentlichen die vor der und um die Jahrhundertwende errichteten zwei- bis dreigeschossigen, meist dreiachsigen Häuser mit sparsamen Stuckfassaden und die etwas größeren, reicher stuckierten Bauten aus den ersten beiden Jahrzehnten unseres Jahrhunderts. Der westliche Bereich von Nippes wurde seit 1859/60 durch die Rheinische Eisenbahngesellschaft geprägt, die dort ihre zentrale Eisenbahnwerkstätte einrichtete und den Bereich westlich der Merheimer Str. mit Arbeiterhäusern bebaute. Die Merheimer Str., die bis 1890 Longericher Straße hieß, wurde zur Hauptverkehrsachse dieses Ortsteils "Sechzig".
Das o.g. Objekt ist Teil der um die Jahrhundertwende entstandenen nördlichen Bebauung dieser Straße und erinnert mit vielen weiteren, aus dieser Zeit in der Nachbarschaft erhaltenen Bauten an die Entwicklung des Kölner Vorortes Nippes und damit auch an die Geschichte der Menschen in Nippes. Hier wird ganz besonders stark die enge Verknüpfung von Industrialisierung, Eisenbahnbau und Siedlungsgeschichte deutlich.
Von großer städtebaulicher Bedeutung ist die Lage innerhalb eines umfangreichen Ensembles erhaltener gründerzeitlicher Bauten. Während sich die gegenüberliegenden Häuser besonders durch kleine, die Fassadenkontour belebende Giebel auszeichnen, waren die etwas älteren Häuser der östlichen Straßenseite einfacher mit 4-geschossigem und 4-achsigem Fassadenaufriß organisiert, wurden jedoch mit aufwendigen Stuckrahmungen der Fenster geschmückt. Die Hausnummern 156 und 124 zeigen heute noch solch eine Stuckfassade, die benachbarten Nummern 158 und 154 sahen ursprünglich ähnlich aus, sind heute jedoch leider ihres Stuck-Schmuckes beraubt. Das hier behandelte Objekt ist ein besonders prachtvoller Vertreter dieses Haustypus, es besitzt selten vorkommende Neorokokogliederungen, von denen besonders die Rocaillen in den mittleren Achsen des 1. OG auffallen. Der Reichtum der Fensterverdachungen und-rahmungen nimmt vom 1. zum 3. OG ab und ist jeweils in den mittleren Achsen größer als in den äußeren Achsen. Im Straßenbild besonders auffällig ist darüberhinaus das stark vorkragende Konsoltraufgesims, das der Fassade einen betonten oberen Abschluß gibt.
Diese Beobachtungen weisen das Objekt als wichtiges Zwischenglied zwischen den kleineren, schlichten Nippeser Häusern die bis ca. 1890 errichtet wurden und den aufwendigeren Bauten nach 1900 aus. Die einfach organisierte, flächige Fassade eines Arbeiterhauses wurde durch aufwendige Stuckgliederungen stark aufgewertet.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0