Wohnhaus

Schwerinstraße 11 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8564
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Schwerinstraße 11, 50733 Köln
Baujahr1905 bis 1910
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 19.09.2001
Stadtteil Nippes

Erbaut zwischen 1905 und 1910, drei Geschosse, drei Achsen; ausgebautes Dachgeschoss mit großem zweigeschossigem dreiecksgiebelbekröntem Dachhaus (drei Fenster / zwei Fenster übereinanderliegend) und einer originalen Gaube in der rechten Achse.

Stuckfassade mit geometrischen Gliederungen und barockisierenden Dekorationen; Erker in der Mittelachse über 1. und 2. Obergeschoss mit Stuckquaderung, Kranzgesimsen, je 1:3:1 Fenstern und mit aufgesetztem Balkon, Brüstungsmauer mit ballusterartigen steinernen Streben; modernes Metall-Brüstungsgitter.

Modernisierte Fensterrahmen (nicht stilgerecht).

Erdgeschoss mit Stuckquaderung, auf Putzsockel.

Haustüre verändert.

Zum Denkmal gehörig: Vorgarten mit Einfriedungsgitter und verputzten steinernen Pfeilern.

Nebenbemerkung:

Obwohl grundsätzliche Erlaubnis der Eigentümerin vorlag, konnte das Objekt nicht im Inneren bzw. rückseitig begutachtet werden, da trotz mehrfacher Versuche an verschiedenen Tagen niemand die Haustüre öffnete.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne des § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes Nordrhein-Westfalen (DSchG). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die bislang dörfliche Siedlung Nippes zu einem bedeutenden Industrieort, der als Bestandteil der Bürgermeisterei Longerich 1888 nach Köln eingemeindet wurde. Nachdem rapides Bevölkerungswachstum zu großer Wohnungsnot geführt hatte, erlebte Nippes seit etwa 1895 einen regelrechten Bauboom. Erstmals wurden nun auch Gebiete nördlich der alten Achse Flora- und Mauenheimer Straße systematisch für eine Bebauung durch mehrgeschossige Mietwohnhäuser erschlossen. So entstand in der kurzen Zeit von 1900 bis 1905 zwischen Flora- und Nordstraße das Netz gänzlich neuer Straßen, die allesamt wie ihr Zentrum, die 1905 nach dem Entwurf des städtischen Gartendirektors Fritz Encke geschaffenen Grünanlage „Leipziger Platz“, nach „Helden“ oder Schlachtorten der sogenannten „Befreiungskriege“ gegen das napoleanische Frankreich benannt wurden.

Die in diesen Jahren beginnende Bebauung des neuen Viertels entsprach in ihrer Qualität der um die Jahrhundertwende mit einer gewissen Stagnation der industriellen Entwicklung einsetzenden Wandlung des Industrieortes Nippes zum beliebten Wohnort auch wohlhabender Schichten des Mittelstandes. In der 1901/02 angelegten Schwerinstraße, die östlichste der drei in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Straßen des Viertels um den Leipziger Platz, die an ihrem südlichen Ende auf die Gneisenaustraße stößt – die 1913 errichtete Pfarrkirche St. Bonifatius des neuen Viertels liegt genau gegenüber der Straßeneinmündung – ist zwischen Blücher- und Gneisenaustraße glücklicherweise in annähernd vollständigen Zeilen ein Ensemble von Häusern erhalten geblieben, deren in typisch späthistoristisch-stilpluralistischer Manier abwechslungsreich gestalteten Fassaden ein in dem kriegszerstörten Köln selten gewordenes lebendiges Straßenbild abgeben.

Das Haus Schwerinstraße 11 ist als ein unverzichtbarer Bestandteil dieses Ensembles in orts- wie in bauhistorischer Hinsicht und im städtebaulichen Zusammenhang ein Dokument der älteren Wohnhausarchitektur in Nippes, die unbedingt zu erhalten ist.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0