Wohnhaus (nur Fassade)

Schenkendorfstraße 30 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8573
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus (nur Fassade)
Adresse Schenkendorfstraße 30, 50733 Köln
Baujahrum 1890
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 28.02.2002
Stadtteil Nippes

Erbaut um 1890 (wahrscheinlich zwischen 1920/1930 erweitert und im Innern und an seiner Rückseite nachhaltig verändert); 3 Geschosse, 3 Achsen; Stuck- und Putzfassade.

Mittelachse risalitartig um ein Geringes vorgezogen und durch Fugenschnitt betont; markante Sohlbankgesimse im 1. OG (mit Relief) und 2. OG (auf 6 Konsolen).

Segmentbogenfenster mit Stuckgewänden, mod. Rahmen im Oberlicht begradigt; im 1. OG horizontale Fensterbekrönungen auf je 2 Konsolen.

Ausgebautes Satteldach mit 3 Gauben, Traufgesims mit Fries.

EG mit Fugenschnitt und Quadrierung; durch Stuckrahmung betonter Hauseingang, Haustüre modernisiert.

Das o.g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne des § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Das o. g. Objekt dokumentiert den in Köln nur relativ selten erhaltenen Haustyp aus dem 19. Jahrhundert mit Mitteleingang, der nicht als Mehrspänner fungierte. Es handelt sich im vorliegenden Fall um ein im Ursprung von zwei Parteien bewohntes dreigeschossiges Wohnhaus, ein Wohnhaus, das um diese Zeit von einer gehobenen Bewohnerschaft genutzt wurde (Laut Adressbuch 1892: EG und 1. OG ein Dr. phil. Andries und im 2. OG ein Betriebssekretär). Das Gebäude Schenkendorfstraße 30 dokumentiert den ersten Ausbau der Schenkendorfstraße, da es zu den ersten Bauten des 1890 angelegten Straßenzugs gehört. Mit dem offensichtlich gleichzeitig errichteten Nachbarhaus Nr. 32 stimmt es in der Geschossgliederung zwar genau überein, aber unterscheidet sich dennoch in der inneren Struktur durch den Seiteneingang des Nachbarhauses. Dieses optisch relativ ähnliche Gebäudeensemble hebt sich wiederum von den weiteren anders beschaffenen Bauten der Straße ab, so daß die Schenkendorfstraße eine relativ vielfältiges Bild vom Bauschaffen der Gründerzeit liefert.

Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits seit 1800 nachweisbar. Diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und Lutherkirche. Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und der Florastraße die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Stuckfassaden den Stadtteil.

Die Schenkendorfstraße ist Teil des in den Jahren 1895-1904 geplanten, zwischen Niehler- und Neusser Straße rasterähnlich in Form in etwa rechteckiger Parzellen erschlossenen und bebauten Straßennetzes Schenkendorf-Auer-, Gellert-, Kuen- und Eichstraße. Angelegt bereits in der zweiten Hälfte der 1870er Jahre (unter dem Namen Heinrichstraße) als schnurgerade in Ost-West-Richtung verlaufende Verbindung zwischen Niehler und Neusser Straße, hat sich ihre um 1880 einsetzende Erstbebauung durch drei- bis viergeschossige Wohnhäuser bis in die 1910er Jahre hingezogen. Das Haus Schenkendorfstraße 30 dokumentiert mit seiner Fassade, die allein denkmalwert ist, im Ensemble der noch erhaltenen Häuser diese Ausbauphase.

Der Erhalt der Fassade ist daher aus städtebaulichen und architekturgeschichtlichen Gründen notwendig.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0