Wohnhaus

Schenkendorfstraße 28 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8614
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Schenkendorfstraße 28, 50733 Köln
Baujahr1914
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 24.02.2003
Stadtteil Nippes

Erbaut 1914; 4 Geschosse, 2 Achsen; Putzfassade mit sparsamen Stuck in neoklassizistischen Formen; vorwiegend flache Putzfelder.

Straßenseitige Fassade:

Fassade in den Obergeschossen vertikal gegliedert mit erkerartigem Vorsprung der rechten Achse.

3. OG mit Rücksprung der linken Achse oberhalb der Traufe, rechte Achse: Dacherkerartiger Aufbau mit hochrechteckigen Drillingsfenstern, darüber: gestuftes Traufgesims, Dachbereich kriegszerstört, heute Satteldach.

Haustür (Holz) mit Füllung und Sprossen, Briefkastenanlage an der Türinnenseite; bleiverglaste Fenster mit Teilungen im EG und 1. OG original.

Im Innern original erhalten:

Vestibül: Natursteinverkleidung bis Brusthöhe,

Treppenhaus: Terrazzoboden und –stufen, Geländer mit hölzernem Handlauf und gedrechselten Stäben, Antrittspfosten; Lincrustatapete (vertikale Profilierung) mit Abschlussleiste (beschädigt).

Treppe zum 3. OG nicht einsehbar, da 2. und 3. OG heute durch eine Wendeltreppe bzw. Deckendurchbruch im Wohnungsinneren zu einer Wohneinheit zusammengelegt sind.

Wohnungseingangstüren (Füllungstüren mit Oberlicht),

Deckenstuck nur noch in Resten (teilweise Kehlen);

Rückseite:

Bleiverglaste Fenster des Treppenhauses (teilweise mit Glasmalerei), teilweise Fenster und Balkontüren, sonst verändert; nachträglich große Balkone angebaut.

Das o.g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne des § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits seit 1800 nachweisbar. Diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und Lutherkirche. Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und der Florastraße die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Stuckfassaden den Stadtteil.

Die Schenkendorfstraße ist Teil des zwischen Niehler- und Neusser Straße rasterähnlich in Form in etwa rechteckiger Parzellen erschlossenen und bebauten Straßennetzes Schenkendorf-, Auer-, Gellert-, Kuen- und Eichstraße. Angelegt bereits in der zweiten Hälfte der 1870er Jahre (unter dem Namen Heinrichstraße) als schnurgerade in Ost-West-Richtung verlaufende Verbindung zwischen Niehler und Neusser Straße, hat sich ihre um 1880 einsetzende Erstbebauung durch drei- bis viergeschossige Wohnhäuser bis in die 1910er Jahre hingezogen. Dies ist auch an den unterschiedlichen Fassadengestaltungen in der Schenkendorfstraße ablesbar, die stilistisch bis in den Ausklang des Historismus hineinreichen.

Das Haus Schenkendorfstraße 28 dokumentiert im Ensemble der zahlreichen noch erhaltenen Häuser die späte Ausbauphase. Seine flächige und sparsame Fassadendekoration deutet schon auf die folgende funktional nüchterne gestaltete Stilepoche hin.

Seine Erhaltung liegt aus städtebaulichen und wissenschaftlichen, hier: architekturgeschichtlichen Gründen im öffentlichen Interesse.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0