Wohnhaus

Marienburger Straße 30 · Marienburg

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_3732
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Marienburger Straße 30, 50968 Köln
Baujahrum 1925
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 15.09.1986
Stadtteil Marienburg

Das Haus Marienburger Str. 30 ist laut Grevens Adressbuch 1927 für den Fabrikanten J. Bruncken errichtet worden. Streng axial aufgebaut, wendet sich das zweigeschossige, verputzte Bauwerk mit drei Achsen, einem mittigen halbrunden Erdgeschoßerker und einer dominanten Eckquaderung dem Straßenraum zu. Der bis zum Bodenniveau durchfensterte Erker, dessen mehrfach profiliertes Kranzgesims zur Altane mit schmiedeeisernen Balkongitter überleitet, ist wie die Eckquaderung in Eifeler Sandstein errichtet worden. Die Unterteilung der Erkerfenster und mittigen Fenstertür erfolgt über unprofilierte Werksteinstege. Zusammen mit den tief ansetzenden Brüstungen der beiden Erdgeschoßfenster wird diese Wohnebene großzügig belichtet. Die rechteckigen Fassadenöffnungen werden von einem leichten Versprung im Putz sowie von Schlagläden gerahmt. Die Fensterflächen selbst sind mit zwei Setzpfosten und sehr feinen, horizontalen Sprossen gegliedert. Die rückwärtige Gartenfront wird durch einen risalitartigen, seitlichen Vorbau akzentuiert, der den Hauptwohnraum im Erdgschoß mit seinem großen Fenster unmittelbar an den Garten anbindet. Eine Terrasse und ein Balkon im Winkel zwischen Rückfront und Seitenflügel leiten zum natürlich gestalteten Garten über, dessen Mitte von einem Pavillon mit davorliegendem Ententeich betont wird. Der überdeckte Eingang liegt unprätentiös an der Seite des Hauses, flankiert von zwei kleinen vergitterten Fenstern. Die Tür selbst ist in ihrem Spiegel mit schmiedeeisernem Dekor geschmückt. Auf der gegenüberliegenden Seite wölbt sich die Fassade mittig zu einem halbkreisförmigen Erker auf. Der strenge Baukörper des Hauses wird von einem weit vorkragenden, geknickten Walmdach mit Ziegeldeckung (ursprünglich wahrscheinlich mit Schiefer gedeckt) überfangen. Kleine halbrunde Gauben auf der Vorder- und Rückseite setzen behutsame Akzente auf der weiten Dachfläche. Das Innere der Villa ist entsprechend den Intentionen englischer Landhausarchitektur im Erdgeschoß mit Deckenstuck und teilweise verglasten Türen aufwendig gestaltet. Ganz besonders gilt dies für das expressionistische, rautenförmige Deckenstucknetz im vorderen Wohnzimmer und die mit Kristallknäufen versehenen Türbeschläge. Ein die Architektur nicht beeinträchtigender Einbau eines Schwimmbades im Keller, sowie ein Kamineinbau im hinteren ehemaligen Speisezimmer brachte leichte Grundrißveränderungen mit sich. Ansonsten ist die Innenarchitektur mit dem Holztreppenhaus, den Türen und Fenstern original erhalten. Zum Haus gehört noch die qualitätvolle schmiedeeiserne Einfriedung mit Werksteinpfosten. Ein späterer Garagenbau nimmt einfühlsam die Konturen des Hauses auf.

Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villen-Kolonien in Deutschland, womit sie aus historischer Sicht zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln gehört. Seit der Gründung dieses Villenvorortes im späten 19. Jahrhundert haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architekten Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüberhinaus auch in Deutschland ist. Das Haus Marienburger Str. 30 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburgs ist der Bau u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil er in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung vom Historismus zur Moderne dokumentiert. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterodnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vorortes Marienburg seine spezifische Ausprägung.

Das Haus Marienburger Str. 30 ist in seiner Gesamtkonzeption und in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Die 1927 errichtete Villa zeigt mit ihren ausgewogenen Proportionen und in den zurückhaltenden, teilweise expressiven Details ein für die damalige Zeit moderne Auffassung von Hausarchitektur, die ihre Wirkung aus dem Zusammenspiel ruhiger, harmonisch zueinanderstehender Baumassen mit der subtilen Gliederung ihrer Flächen bezieht. Die Qualität der Architektur läßt auf einen renommierten Architekten schließen, der die Bauideen der sog. Stuttgarter Schule, vor allem ihres Protagonisten Paul Bonatz eigenständig aufzunehmen wußte. Die Villa Marienburger Str. 30 ist ein wichtiges Zeugnis der Architekturentwicklung zu Ende der zwanziger Jahre, an dessen weitergehenden Erforschung ein großes wissenschaftliches Interesse besteht.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0