Wohnhaus
Dasselstraße 6 · Neustadt/Süd
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_1977 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Dasselstraße 6, 50674 Köln |
| Baujahr | um 1892 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 06.01.1984 |
| Stadtteil | Neustadt/Süd |
Das Gebäude wurde um 1892 als dreiachsiges Wohnhaus mit vier Vollgeschossen, einem Souterrain, einem Giebelgeschoß, einem Risalit, einer Stuckfassade und einem Vorgarten mit Einfriedung errichtet.
Das o. g. Gebäude ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist, als auch wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:
Zwischen der inneren und äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici und des Stadtbaumeisters H.J. Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden.
Die Dasselstraße verläuft längs der Eisenbahnlinie und verbindet als Bestandteil der Straßenfolge Moltkestraße, Lützowstraße, Dasselstraße, Moselstraße, Pfälzer Straße, welche den äußeren Rand der Neustadt im Westen und Südwesten parallel zu den Ringen erschließt, die beiden Sternplätze vor der Eisenbahnüberführung der Ausfallstraßen Lindenstraße und Zülpicher Straße miteinander. An der zum Rathenauplatz hin gelegenen Straßenwand nimmt die Neubebauung nach der Kriegszerstörung die Traufhöhe der beidseitig viergeschossigen, historischen Gebäude auf. An der zur Bahn hin gelegenen Seite gegenüber wird die Traufhöhe der historischen Gebäude von den Neubauten im großen und ganzen unterschritten. Der Straßenraum wird optisch an der Einmündung der Zülpicher Straße vom historischen Stahlbauwerk der Eisenbahnüberführung und deren Einfassung mit polygonalen, überhöhten Pfeilern und an ihnen bogenförmig hinauf verlaufenden Böschungsmauern aus rustiziertem Quadermauerwerk einerseits und vor der Bahnüberführung an der Lindenstraße, die Platzbebauung und Hausfront an der Einmündung der Lützowstraße mit den historischen Gebäuden Lützowstraße 7 und 9 andererseits räumlich geschlossen. Als charakteristisches Merkmal der Parks und Platzanlagen der Neustadt ist in den vom Rathenauplatz ausgehenden Straßen die Vegetation des Platzes durch Baumbestand in der Beethovenstraße und Roonstraße und Vorgärten in der Lochnerstraße und Görresstraße, die sich auf beiden Seiten der Dasselstraße bei zurück versetzter Straßenflucht fortsetzt. Die letzten Gebäude vor der Einmündung der Dasselstraße in die Lindenstraße nehmen die Flucht der vorderen Begrenzung der Vorgärten auf. Den Übergang bilden die Gebäudeformen der sich gegenüberliegenden Häuser Dasselstraße 79 und 66.
Der Vorgarten erlaubt den kräftig ausgeprägten Vorsprung des Risalits der rechten Seitenachse mit überhöhendem, ädikula-artigen Dachgiebel als die Charakteristik der Fassade bestimmendes Element. Die rustizierte Quaderung des Souterrains und die geglättete, schmalteilige Bossenquaderung des ersten Obergeschosses, das mit seinem Stockwerkgesims und der Brüstung des zweiten Obergeschosses mit Balustern unterhalb der Fenster und dem Fensterbankgesims abschließt, bilden den Sockel der Fassade. Darüber bilden das zweite, dritte und vierte Obergeschoß durch Gesimse und Stuckbänder auf glatten Putzflächen eine architektonische Einheit, die mit einem hohen Dachgesims als Konsolgesims abschließt. Innerhalb dieses Fassadenfeldes stehen die von Geschoß zu Geschoß schmaler werdenden Fensterbankgesimse und die von Geschoß zu Geschoß weiter ausladenden Fensterüberdachungen mit dem Dachgesims als Überdachung der Fenster des vierten Obergeschosses in einem die Fassade überhöhenden Gegensatz. Die konsequente Anwendung von Halbkreisbogen an allen Fenstern der Obergeschosse die am Risalit in verstärkter Aussage zu gekuppelten Fenstern zusammengefaßt sind, unterstreichen die Vertikalität der Fassade. Die fachwerkartigen Stucküberdachungen der Fenster des dritten Obergeschosses aus Dreieckgiebeln und seitlichen, zu beiden Seiten der Fenster von Konsolen unterstützten, nach unten durchhängenden Elemente, nehmen Bezug zum Umriß des Dachgiebels über dem Risalit.
Die ausgewogene, qualitätvolle, im Grunde klassizistische Architektur bereichern Stilelemente der Renaissance, die als Gestaltungsmittel im Sinn des Repräsentationsbedürfnisses der Zeit abgewandelt wurden.
Der Hausflur besteht aus einer Treppe, die vor dem halbkreisförmigen Stützbogen mit profilierten Rändern über zwei pilasterartigen Mauervorlagen endet. Die dreieckförmigen Sockelfelder über der Treppe schließen mit einem Gesims in Höhe des Niveaus des ersten Obergeschosses ab. Die Decke besteht aus einer flachen Hohlkehle und der Rahmung eines erhabenen Deckenspiegels. Das eigenständige, hohe Oberlicht mit Halbkreisbogen oberhalb der Haustüre gibt dem Hausflur ungewöhnlich gute Belichtung. Der Dekor der Bodenfliesen des Treppenhauses besteht aus stilisiertem, kleinteiligen Blattornament. Je vier Fliesen bilden ein ineinander übergreifendes Motiv. Der Dekor des Randstreifens besteht aus geometrischem Flechtwerk. Die gerade, zweiläufige und gegenläufige Holztreppe trägt ein Holzgeländer mit Holzhandlauf. Die Fenster des Treppenhauses sind original erhalten. Die Wohnungstüren aus Rahmen und Füllungen schließen mit einem hohen, profilierten Kämpferholz und einem hohen Oberlicht mit Sprossenteilung ab. Die Wohnungen enthalten Stuckdecken und originale Türen.
Die vorgelegte Beschreibung zeigt die Bedeutung des Gebäudes im Sinn des Denkmalschutzgesetzes auf und zwar insbesondere hinsichtlich seiner städtebaulichen Einbindung, seines künstlerischen und wissenschaftlichen Wertes und der Geschichte des Kölner Bürgers in Bezug zu seiner Stadt.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0