Wohnhaus
Heinsbergstraße 9 · Neustadt/Süd
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_2126 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Heinsbergstraße 9, 50674 Köln |
| Baujahr | um 1890 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 09.02.1984 |
| Stadtteil | Neustadt/Süd |
Das Gebäude wurde um 1890 als viergeschossiges, vierachsiges Wohnhaus mit einer Backsteinfassade und Stuckgliederungen errichtet.
Zwischen der inneren und der äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici und des Stadtbaumeisters Hermann-Joseph Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden.
Die Heinsbergstraße verbindet eine Schmalseite, die Südostseite des Rathenauplatzes, mit der Zülpicher Straße und der Kyffhäuserstraße. Sie besteht aus zwei etwa gleich langen Straßenabschnitten mit Richtungswechsel an ihrer Kreuzung mit der Zülpicher Straße. Der Abschnitt zwischen Rathenauplatz und Zülpicher Straße verläuft etwa parallel zur Roonstraße, der Straßenabschnitt zwischen der Zülpicher Straße und Kyffhäuserstraße parallel zur Hochstadenstraße. Beide Abschnitte finden an der Kreuzung mit der Zülpicher Straße ihren optischen Abschluß durch die Eckhäuser mit den anschließenden Straßenfronten der Heinsbergstraße und Zülpicher Straße. Von der Zülpicher Straße aus gesehen endet der wohnliche Charakter des Straßenraums mit dem stehenden Rechteck seines Querschnitts als Ausblick auf den Bestand historischer Bäume und der lichten Weite des Rathenauplatzes. Der Straßenraum in Richtung Kyffhäuserstraße endet mit der historischen Hausfassade Kyffhäuserstraße Nr. 33. Die Heinsbergstraße hat, wie die Lochnerstraße und Görresstraße, als Wohnstraße die Aufgabe, die umgebende Bebauung in kleinere, übersichtliche Areale aufzuteilen, deren relativ gerings Grundstückstiefen eine Hinterhof-Bebauung nach Berliner Art vermeiden und trotz hoher Nutzung der Grundstücksfläche eine im allgemeinen offene, rückwärtige Bebauung aufweisen.
Die etagenweise gleichen Formen der Fensterumrahmungen unterstreichen die Individualität der einzelnen Wohnungen und lassen die Symmetrie-Achsen auf dem mittleren Fensterpfeiler untergeordnet erscheinen. Die Lichtmaße der Fenster nehmen, die Fassade aufwärts gesehen, zentral perspektivisch überhöhend, in klassizistisch er Tradition von Geschoß zu Geschoß ab, im Gegensatz zu den von Geschoß zu Geschoß weiter auskragenden Reihen der Überdachungen bis zum Traufgesims als weitester Überkragung der Gesamtfassade. Damit werden zugleich das geistige Aufwärtsstreben und das Bewahren des Erreichten zum Ausdruck gebracht.
Sowohl das Erdgeschoß als auch das Dachgeschoß übernehmen neben ihrem Wohnwert zusätzlich die Funktion der Erschließung der Gebäude im Erdgeschoß bzw. die Abstützung des Dachs durch das dritte Obergeschoß, das zudem die Höhenlage seiner Erschließung zu bewältigen hat. Zum Ausgleich dieser Nachteile gegenüber dem reinen Wohnen des ersten und zweiten Obergeschosses vermitteln die kraftvoll geschnittenen Formen des über den Kellerfenstern aufgekröpften Erdsockels, der Rahmungen der Fenster und des Hauseingangs, der Rustika auf den Fensterpfeilern und das ausladende Stockwerkgesims dem Erdgeschoß den Ausdruck Last tragender Kraft und Verantwortlichkeit. Das vierte Obergeschoß wendet sich der beschützenden Aufgabe des Dachs zu. Der mit barocken Schmuckornamenten besetzte Fries und dessen Gehänge auf den Pfeilern zwischen den Fenstern vermitteln zwischen der Vertikalität der Pfeiler und der Horizontalität des Dachgesimses. Die Gestaltungselemente sind im wesentlichen der Renaissance abgeleitet und dem Repräsentationsbedürfnis der Zeit entsprechend angewendet.
Im Hausflur umgibt das grau-weiß-schwarze Mittelfeld des Terrazzobodens, in das zwei Reihen über Eck gesetzter, kleiner, schwarzweißer Quadrate aus Mosaik eingelassen sind, ein Ornament aus schwarzen und roten Ringen aus Mosaik auf grauem Terrazzo, dazwischen beidseitige, dreireihige, weiße Mosaikstreifen und eine grauschwarze Randrahmung. Die Decke schmückt eine in der Längsachse erweiterte Mittelrosette mit hängendem Mistelkranz und eine tief liegende Hohlkehle mit breiten, profilierten Randleisten. Den Zugang zum Treppenhaus bildet ein waagerechter Sturz auf zwei Pilastern mit kräftig ausgeprägten, kantigen Kapitellen. Der Dekor des Treppenhauses wiederholt den des Hausflurs ohne den farbigen Teil der Randrahmung. Die zweiläufige, gerade, linkswendelnde Holztreppe begleiten ein Holzgeländer mit -handlauf und ein Antrittspfosten im Erdgeschoß. Von den Wohnungsabschlüssen sind teils die Rahmen mit Kämpfern und Oberlicht mit Sprossenteilung erhalten. In den Wohnungen sind im Dekkenstuck Hohlkehlen mit Randleisten, zudem Türlaibungen mit Blendrahmen und Türen erhalten.
Die vorgelegte Beschreibung zeigt die Bedeutung des Gebäudes im Sinne des Denkmalschutzgesetzes auf und zwar insbesondere hinsichtlich seiner städtebaulichen Einbindung, seines künstlerischen und wissenschaftlichen Werts und der Geschichte des Kölner Bürgers in Bezug zu seiner Stadt.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0