Wohnhaus
Heinsbergstraße 16 · Neustadt/Süd
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_2378 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Heinsbergstraße 16, 50674 Köln |
| Baujahr | um 1890 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 14.05.1984 |
| Stadtteil | Neustadt/Süd |
Zwischen der inneren und der äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici und des Stadtbaumeisters Hermann-Joseph Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden. Die Heinsbergstraße verbindet eine Schmalseite, die Südostseite, des Rathenauplatzes mit der Zülpicher und der Kyffhäuserstraße. Sie besteht aus zwei etwa gleichlangen Straßenabschnitten mit Richtungswechsel an ihrer Kreuzung mit der Zülpicher Straße. Der Abschnitt zwischen Rathenauplatz und Zülpicher Straße verläuft etwa parallel zur Roonstraße, der Straßenabschnitt zwischen der Zülpicher und Kyffhäuserstraße parallel zur Hochstadenstraße. Beide Abschnitte finden an der Kreuzung mit der Zülpicher Straße ihren optischen Abschluß durch die Eckhäuser mit den anschließenden Straßenfronten der Heinsberg- und Zülpicher Straße. Von der Zülpicher Straße aus gesehen endet der wohnliche Charakter des Straßenraums mit dem stehenden Rechteck seines Querschnitts als Ausblick auf den Bestand historischer Bäume und der lichten Weite des Rathenauplatzes. Der Straßenraum in Richtung Kyffhäuserstraße gesehen endet mit der historischen Hausfassade Kyffhäuserstraße 33. Die Heinsbergstraße hat wie die Lochner- und Görresstraße als Wohnstraße die Aufgabe, die umgebende Bebauung in kleinere, übersichtliche Areale aufzuteilen, deren relativ geringe Grundstückstiefen eine Hinterhofbebauung nach Berliner Art vermeiden und trotz hoher Nutzung der Grundstücksfläche eine im allgemeinen offene, rückwärtige Bebauung aufweisen.
Die halbsteingroße, risalitartige Mauervorlage des linken Fassadendrittels umgibt die linke Fensterachse in asymmetrischer Eigenwilligkeit. Als weiteres, vertikales Element sind die beiden rechten Fensterachsen dicht aneinandergerückt. Die vertikalen Reihungen der gleichhohen, in den unteren Geschossen durch die Architektur der Geschoßhöhen und Betonung der Fensterüberdachung wesentlich höher scheinenden Fenster, enden in niedrigeren Fenstern des 3. OG. Die Individualität der durch die Stockwerksgesimse über dem EG und 1. OG, dem Fensterbankgesims am 3. OG und dem Dachgesims voneinander abgegrenzten Geschosse unterwirft sich der Fassaden-Gesamtarchitektur. Die abwechselnd rauh und glattgebänderte Rustika des EG, deren beiden letzten Bänder als Übergang zum Stockwerksgesims des EG gequadert und auf den waagerechten Stürzen des Hauseingangs und der Fenster von diamantförmigen Schlußsteinen unterbrochen werden, kennzeichnet das EG als hohe, lasttragende Basis der Fassade. Die horizontalen Stuckbänder, die z. T. die Gesimse in der Fassadenebene erweitern, z. T. im Wechsel mit dem Klinkermauerwerk die seitlichen Teile der Fensterumrahmungen miteinander verbinden und als Rahmung des 4. OG auftreten, unterstreichen durch abnehmende Regelmäßigkeit der Folge und Verminderung ihrer Anzahl die Höhenlage der Geschosse. Die halbrunden Mauerbogen mit flächig verputztem Schlußstein und Widerlager über vertieftem Feld und balkenförmigen, an ihren Enden auf Konsolen aufliegenden horizontalen Verdachungen der Fenster des 1. OG, wiederholen sich abgewandelt und in ihrer Wirkung abgeschwächt am 2. OG ohne Vertiefung unter dem Bogen und ohne Konsolen und am 3. OG sich allein auf die horizontale Balkenform der Überdachung beschränkend. Die Reihung der von Geschoß zu Geschoß nach oben hin zunehmend auskragenden Gesimse beginnt mit dem Stockwerkgesims über dem EG, setzt sich fort mit dem Stockwerkgesims über dem 1. OG, sich den Einzel-Fensterbankgesimsen des 2. OG nähernd, als Stockwerkgesims und Fensterbankgesims in einem am 3. OG und endet mit dem die Fassade abschließenden Traufgesims. Die Gestaltungselemente sind aus der Renaissance abgeleitet und dem Repräsentationsbedürfnis der Zeit entsprechend angewandt. Die Haustür ist einem Fenster nachgebildet mit einer Glasscheibe in der Form eines stehenden Rechtecks mit halbkreisförmigem, oberen Abschluß und einer symmetrisch geordneten, schmiedeeisernen Vergitterung aus schmalen Bandstahl, dessen Enden in pflanzlicher Abstraktion eingerollt sind. Die Brüstung besteht aus konzentrischen Rahmungen mit zentralem, liegendem Diamantquader. Das Fensterbankgesims und zwei Pilaster, die eine horizontale Überdachung mit einer Bekrönung aus zwei aneinandergelehnten Voluten tragen. Die seitlichen Türpfosten bilden wiederum Pilaster, die aber auf dem Boden aufstehen und mit ihren Kapitellen das Doppelprofil des ausladenden Kämpfers unterhalb des Oberlichts unterstützen. Türrahmen und -flügel sind reich profiliert und mit Beschlagwerk besetzt. Der Fliesenboden des ungewöhnlich breiten Hausflures zeigt ein ineinander übergreifendes Dekor auf je vier Fliesen aus einer stilisierten Blüte in breiten, kreisrundem Kranz in Brauntönen und hellblauem Dekor der Zwickel. Die Rahmung bildet ein schmales, stilistisches Flechtornament in beige auf dunklem Grund, beidseitig gefaßt in schmalen Streifen derselben Farbe und ein dunkelbrauner Außenrand. Der Deckenstuck trägt eine Hohlkehle mit wulstigen Randprofilen. Der breite Halbkreis des Stützbogens mit profiliertem Außenrand wird von zwei Pilastern gestützt, deren Basen mit dem Fliesendekor eines streifenförmigen Gitters aus quadratischen Elementen in beige auf dunkelrot miteinander verbunden sind. Der Treppenhausboden trägt den gleichen Fliesendekor wie der des Hausflures. Die gerade, linkswendende, zwei- und gegenläufige Holztreppe mit einem Holzgeländer und Holzhandlauf beginnt im EG mit einem hohen, schlanken, gedrechselten, kannelierten und teilweise skulptierten Antrittspfosten. Ein Flur mit Fliesenboden in eigenem Dekor führt zu einem zweiten Treppenhaus mit Holztreppengeländer und -handlauf und originalen Fenstern, das den Anbau erschließt. In den Wohnungen befinden sind teilweise Deckenstuck, originale Türlaibungen und Türen.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0