Wohn- u. Geschäftshaus
Zülpicher Straße 9 · Neustadt/Süd
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_2600 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Zülpicher Straße 9, 50674 Köln |
| Baujahr | um 1888 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 23.07.1984 |
| Stadtteil | Neustadt/Süd |
Zwischen der inneren und der äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici und des Stadtbaumeisters Hermann-Joseph Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden.
Das Gebäude Zülpicher Straße 9, Eckhaus zur Heinsbergstraße, wurde um 1888 als viergeschossiges Wohn- und Geschäftshaus mit fünf Achsen an der Zülpicher Straße, sechs Achsen an der Heinsbergstraße, einer abgeschrägten Ecke mit Erker und einer Backsteinfassade mit Stuckgliederungen errichtet. Die Traufhöhe der viergeschossigen, historischen Bebauung, die auch beim Aufbau nach der Kriegszerstörung als bindendes Höchstmaß anerkannt wurde, gibt dem Straßenraum einen offenen, gutbelichteten, etwa quadratischen Querschnitt. Das Straßenniveau steigt zur Stadtmitte hin in den beiden ersten Dritteln langsam, im letzten Drittel vor der Herz-Jesu-Kirche und dem Hohenstaufenring, der Haupterschließung und ehemaligen Prachtstraße der Neustadt, stärker an. Die Stahlkonstruktion der Eisenbahnüberführung mit seitlichen Mauerpfeilern und anschließenden Böschungsmauern geben dem Straßenraum im Südwesten am Außenrand der Neustadt einerseits die historische Baumbepflanzung an der Längsseite der Herz-Jesu-Kirche, das kurze Querschiff, die Strebepfeiler an Längs- und Querschiff, der polygonale Turm mit hohem Kegeldach im Winkel von Längs- und Querschniff der Herz-Jesu-Kirche und der Erker am 1. und 2. OG an dem gegenüberliegendem Haus Nr. 16, im Nordosten an der durch den Kirchenbau eingeengten Straßenführung andererseits einen optischen Abschluß. Die Sternplätze des Zülpicher Platzes als seitliche Erweiterung der Zülpicher Straße um den Turm der Herz-Jesu-Kirche mit der rechtwinkligen Kreuzung der Roonstraße und der diagonalen Kreuzung der Engelbert- und Hochstadenstraße mit zurückliegender Einmündung der Engelbertstraße und den seitlich zurückliegenden Einmündungen der Meister-Gerhard-Straße, Kyffhäuserstraße und Moselstraße vor der Bahnüberführung unterbrechen die Kontinuität des Straßenraums der Zülpicher Straße unmittelbar durch die Weite ihrer Platzarchitekturen. An der Kreuzung Zülpicher Straße/Heinsbergstraße nehmen die Neubauten die Eckabschrägungen der ursprünglichen, städtebaulichen Umrißlinien auf. Die als einzige im Original erhaltenen Eckfassaden des Hauses Zülpicher Straße 9 dokumentieren die zwischen beiden Straßenräumen vermittelnden, ursprünglichen architektonischen Ecklösungen. Der Sockel des EG und die als Einheit konzipierten OGs bilden die horizontale Grundgliederungsordnung der vier an den Nachbargrenzen ansschließenden Fensterachsen den Inhalt der architektonischen Aussage: In sämtlichen OGs werden die beiden mittleren Achsen gemeinsam, die zu beiden Seiten flankierenden Achsen einzeln durch risalitartig zusammenhängende Fensterumrahmungen hervorgehoben. Dementsprechend ist auch der Eckerker am 1. bis 3. OG auf einem Ausschnitt der abgeschrägten Eckfläche risalitartig flach ghalten. Die durchlaufenden Stockwerkgesimse umschließen den Eckerker und binden ihn in die Fassaden ein. Die Verkröpfungen um die Mauervorlagen der Fensterumrahmungen bilden am 1. und 2. OG zusammen mit den Brüstungselementen und Fensterbankgesimsen darüber am 3. OG durch aufgsetzte Dreieckgiebel die Verdachungen der Fenster. Die Folge der von Geschoß zu Geschoß weiter auskragenden Verdachungsreihen schließen mit der weitesten Kragweite des Traugesimses ab. Die verminderten Lichtmaße der Fenster am 3. OG lassen die Fassade optisch überhöht erscheinen. Der plastisch reiche Schmuck an allen Seiten des Eckerkers akzentuiert die Eckausbildung des Hauses. Der eigenständige architektonische Entwurf verwendet dem Repräsentationsbedürfnis seiner Zeit entsprechend Gestaltungselemente der Renaissance.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0