Wohn- u. Geschäftshaus

Vincenzstraße 29 · Mülheim

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_4090
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Vincenzstraße 29, 51065 Köln
Baujahr1907
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 26.03.1987
Stadtteil Mülheim

Das Gebäude ist auf 1907 schriftlich datiert.

Baukünstlerisch bemerkenswert ist das viergeschossige Eckhaus von 4:3 Achsen mit abgeschrägter Ecke und kleinem, halbrundem Eckerker (4. OG) mit bekröntem Kegeldach sowie zwei dreigeschossigen Erkern auf rechteckigem Grundriß und Blendgiebeln mit dreieck- bzw. arkadenartigen Gesimsabschlüssen aufgrund seiner aufwendig dekorierten Jugendstilfassade. Diese wird horizontal gegliedert durch ein fast durchgängiges, gekröpftes Fensterbankgesims mit Frieseneinlagen, welche die untere rustizierte Fassadenhälfte von der oberen abgrenzt, sowie ein breites Traufgesims mit Würfel- und Flechtbandfries.

Die bewußt asymmetrisch gestaltete Fassadenfront wird belebt durch starke Abwechslung in den Fensterformen jeder Etage: Einzelfenster verschiedener Größe und Form sowie Fenstergruppenkompositionen mit geraden und bogenförmigen Abschlüssen. Weitere Dekorelemente sind: Putzornamentik in Form von Rustika im Erdgeschoß und 1. Obergeschoß, rosettenartige und breitbandige Fensterabschlußrahmung mit Löwenkopfmasken und Chimärenköpfen, stilisierte Adler mit geöffneten Flügeln als Wappenträger in den Brüstungs- oder Bekrönungszonen, in Rechteckfelder flach gesetzte menschliche Masken und Büstenreliefs, ein Fledermaus- und ein Storchenrelief, als Friese gestaltete Schlangenkörper, verschiedenartige Friesformen in floralem und geometrischem Jugendstil und nicht zuletzt am Erker über dem Portal die Inschrift: "Gut Ding will Weile/Durch das Schöne stets das Gute". Vier originale, holzgerahmte Dachgauben mit Dreieckgiebel sowie die zum großen Teil erhaltene Fenster mit kleinteiligen Oberlichtsprossen vervollkommnen die ästhetische Einheit der Fassaden, die als konstruktive Teile des Hauskerns Proportion, Geschoßgliederung und Höhe des Gebäudes verdeutlichen.

Im Innern des Gebäudes ist an originalen Ausstattungsteilen noch erhalten: ein inkrustierter Terrazzofußboden mit Mosaikkante, Terrazzotreppe, gedrechseltes umlaufendes Geländer mit Antrittspfosten, Wandsockel aus Marmor, Kellertür, stuckierter Stützbogen, arkandenartiger Wand- und dekenstuck, Stuckrosette, in den Wohnungen zum großen Teil erhaltene Kassettenfüllungstüren mit breiten Rahmungen, Flügeltüren mit Sprossen, Stuckrosetten-Rahmung, Kanneluren.

Ortsgesschichtlich bedeutend ist das stattliche Wohn- und Geschäftshaus als Zeugnis der letzten Mülheimer Stadterweiterung vor der Eingemeindung nach Köln und vor dem ersten Weltkrieg. Vielfach entstanden jetzt sehr große Hauseinheiten, deren Fassadenschmuck nicht mehr auf historisierende Stuckdetails zurückgreift, sondern aus der plastischen Staffelung von Bauteilen entsteht unter Verwendung moderner Putzornamentik.

Städtebaulich bedeutend ist das Objekt als Bestandteil eines Gebäudeensembles mit den in Architektur und Bauzier ähnlich gestalteten Häusern Nr. 27 (aus der gleichen Erbauungszeit), 25, 23, 21 und 19. Außerdem bildet das Objekt einen Blickpunkt an der Straßenkreuzung Frankfurter-/Vincenz-/Monatusstraße als einziges erhaltenes, gut sichtbares Denkmal, das noch den Ehemaligen Wohncharakter an dieser Kreuzung repräsentiert.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0