Wohn- u. Geschäftshaus

Hohenzollernring 36 · Neustadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_4656
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Hohenzollernring 36, 50672 Köln
Baujahr1885
Architekt / PlanungA. Kerler
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 27.06.1988
Stadtteil Neustadt/Nord

Das 1885 inschriftlich datierte Gebäude wurde von dem Architekten A. Kerler errichtet. Um 1910 (laut Stadtanzeiger vom 25.06.1910 - Veränderung des Kölner Straßenbildes) wird der Ring in vielen Bereichen von einer reinen Wohnstraße zur Geschäftsstraße umgewandelt. So wurde auch vorliegendes Objekt - wie auch die anderen Gebäude in diesem Teilabschnitt des Hohenzollernringes - im Erdgeschoßbereich zum Ladengeschäft umgebaut. Dank erhaltener Fotos (s. Fotoarchiv Stadtkonservator) ist die Umwandlung des Hauses durch kommerzielle Interessen und auch durch Kriegseinwirkung in einem Jahrhundert gut rekonstruierbar.

Baukünstlerisch bewahrt das traufständige, 4-geschossige Gebäude aus gelbem Sandstein die alte rheinländische Bautradition des 19. Jahrhunderts (s. a. Dreifensterhaus). Der über dem modernisierten Erdgeschoß nach klassischen Prinzipien geordnete Baukörper entspricht in seinem Dekordetails dem barocken Stilvokabular. So dienen z. B. die kannelierten Pilaster mit ihren korinthischen Kapitellen, die samt ihrem verzierten Sockel (und Basis) das 1. und 2. Obergeschoß der Fassade zusammenfassen, einer barocken Kolossalordnung.

Die reich geschmückte, ebenfalls aus Sandstein gefertigte Baulustrade des Balkonvorbaus auf der rechten Achse (1. OG) sowie die dreieck- und segmentbogige, mit Konsolen versehene Fensterbekrönung des 1. Obergeschosses weisen dieses als sogenannte Belétage aus.

Der vertikalen Betonung durch die Kolossalpilaster stehen die horizontalen Gesimsgliederungen (z. B. ab 3. Obergeschoß ein breit vorstehendes Sohlbankgesims mit doppelten Konsolen) gegenüber. Das 3. Obergeschoß wird durch Sandsteinquader strukturiert, wobei sich auch hier die Pilasterordnung zwischen den Achsen und an den Seiten weiter fortsetzt. Die Mittelachse wird hier durch einen Segmentbogengiebel (mit Zeittafel) sowie einen rundbogigen Bekrönungsaufsatz mit Rosettenzier noch besonders hervorgehoben. Der niedrige, kreisförmig verzierte Aufbau über dem Traufgesims (Attika) wurde nicht zu einem Attikageschoß ausgebaut, sondern diente ausschließlich die Pfeiler zwischen den Verzierungen akzentuierende Akroterien sind nicht mehr erhalten - ebenso die ursprüngliche Dachform (Satteldach).

Trotz der erwähnten Veränderungen verdeutlicht die Fassade als konstruktiver Teil des Hauskerns Proportionen, Geschoßgliederung und Höhe des Gebäudes. Der rückwärtigen Fassade ist ein 2-geschossiger Anbau mit schmiedeeisernem Balkongeländer angefügt.

Die hochherrschaftliche Ausstattung der Fassade in Material und Dekor findet im Hausinnern noch Reste ihrer Entsprechung, vermutlich hat aber die Umwandlung des Erdgeschoßbereiches um 1910 im unteren Treppenhaus ihre Spuren hinterlassen: schwarz/weiße Fußbodenfliesen in Jugendstilornamentik, Holztreppe, verziertes Stabgeländer mit Antrittspfosten bis 1. Obergeschoß, braune glasierte Wandfliesen durch vier kleine, rechteckig gerahmte Sandsteinreliefs (Puttenmotive), unterbrochen und im Aufgangsbereich dem Treppenlauf entsprechend gestuft und abgeschlossen; Reste von Deckenstuck, Eckbetonungen sowie eine Stuckrosette auf dem 1. Podest, dann ab 1. Obergeschoß das typische historisierende gedrechselte Geländer (umlaufend) mit Antrittspfosten; weiterhin zum großen Teil kassetierte Wohnungstürabschlüsse und Gerähm: 1 Kellertür und 2 Hoftüren, eine mit achteckigem Sichtfenster und kleinteiligen Oberlichtsprossen.

Ortsgeschichtlich ist das ehemalige Wohnhaus ein Zeugnis der nach 1881 ausgeführten Stadterweiterung von Köln, wobei die ursprünglich einheitlich aufgefaßte "Ringstraße" das Kernstück der einmaligen urbanistischen Neugründung war. Der sechs Kilometer lange Prachtboulevard war von seinen Planern, dem Aachener Architekten Josef Stübben und Karl Henrici, als eine Kette festlicher Räume" in zehn Abschnitten von unterschiedlicher Breite und Gestaltung angelegt. Besonders in dem mittleren Teil der Ringe, zu dem auch der Hohenzollernring gehört, waren vor allem repräsentative, meist 4-geschossige Bauten für Bewohner mit gehobeneren Wohnansprüchen, bevorzugt.

Städtebaulich gesehen ist das vorliegende Objekt eines von zwei Gebäuden aus einer ehemals intakten, vielfältig gestalteten Häuserreihe, das den 2. Weltkrieg überstanden hat. Mit dem Gebäude Nr. 30 bildet es die Reste der historischen Bebauung in diesem Ringabschnitt zwischen Palm- und Ehrenstraße, und gibt daher in seiner Erscheinung Zeugnis für den Nachlaß einer Epoche der Kunstgeschichte und des Städtebaus des späten 19. Jahrhunderts.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0