Wohnhaus
Im Hasengarten 18 · Hahnwald
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_6653 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Im Hasengarten 18, 50996 Köln |
| Baujahr | 1965 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 28.10.1992 |
| Stadtteil | Hahnwald |
Eckhaus zum Hahnenwaldweg, erbaut 1965 von Architekt Peter Neufert; freistehender Bau auf T-förmigem Grundriß, 1 Geschoß; Backsteinfassaden und breites Betonband (weiß geschlämmt) als oberer Abschluß, Ansichtsflächen des Kamins in Grobkies; zur Straße weisende Fronten mit Oberlichtband (vergittert), zum Garten weisende Fronten mit Fenstertüren (Schlaftrakt) und großflächiger Verglasung (Wohntrakt); zentraler Erschließungsbereich (orig. Haustür; Kupfer geschmiedet ) und Garagenflügel; Wohnflügel mit Faltwerk überdacht, Schlaflügel mit Flachdach auf weit auskragenden Dachträgern. Fenster zum Garten (ehem. goldeloxiertes Alu) verändert, Haustür original; an den Wohnflügel anschließender ehem. überdachter Freisitz heute geschlossen; an den Keller des Schlaftraktes anschließender Anbau z. Zt. im Entstehen.
Im Inneren original erhalten: im Wohnflügel Solnhofener Platten, Kamin (neu verblendet); im Schlaflügel einige Zimmertüren mit Beschlägen.
Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne des § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist, als auch wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:
Der Villenvorort Hahnwald entstand ab 1929 auf Initiative des Immobilien-Kaufmanns Ernst Leybold - dem Gründer der Marienburg - und des Architekten Theodor E. Merrill auf dem Gebiet der Gemeinde Rondorf. In den 20er und 30er Jahren, vor allem aber nach dem 2. Weltkrieg, haben hier bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architekten Wohn- und Landhäuser, umgeben von ausgedehnten gärtnerischen Anlagen, errichtet. Neben eher konventionellen Villen finden sich überraschende und neuartige Schöpfungen der Moderne, wodurch sich dieser Vorort als architekturhistorisch interessantes Wohngebiet erweist. Das o. g. Objekt ist integraler Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen 'Ensembles' Villenvorort Hahnwald. Durch die Vielzahl der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vorortes Hahnwald seine spezifische Ausprägung.
Auf einem großzügig bemessenen Eckgrundstück entstand 1965 o. g. Wohnhaus. Verantwortlich zeichnete der Kölner Architekt Peter Neufert, der kurz zuvor durch die ungewöhnliche Baugestalt seines Eigenwohnhauses - errichtet auf einem benachbarten Grundstück, "Am Zehnpfennigshof 22" - Aufsehen erregt hatte. War bei dem sog. Haus X1 die Form der mathematischen Kurve einer Klothoide gestaltprägend, so experimentierte Neufert hier - "Im Hasengarten" - mit einer anderen neuen Strukturform: der Wohnflügel des eingeschossigen Flachbaus wird von einem sog. Faltwerk überspannt, einem konstruktiven Prinzip, das ursprünglich im Industriebau zur Überbrückung großer Spannweiten Verwendung gefunden hatte. (Eine beispielhafte Verwirklichung dieses Gedankens stellt der Kongreßsaal der UNESCO - Bj. 1956 - in Paris dar.) Durch die neuartige Dachform erhält das sonst eher unauffällig und sehr flach innerhalb der begrünten Umgebung lagernde Wohnhaus einen überraschenden, gewissermaßen expressiven Ausdruck.
Der mehrflügelige, auf T-förmigem Grundriß angelegte Bau zeigt sich zur Straße hin weitgehend geschlossen - Belichtung erfolgt hier nur durch Oberlichter -, die gartenseitigen Fronten - vor allem des Wohnbereichs - dagegen öffnen sich bis zur fast völligen Auflösung der Wand; Innen- und Außenraum gehen nahezu nahtlos ineinander über. In dieser auf Transparenz und Einbeziehung der Natur bedachten Architektursprache stellt der Bau eine deutliche Abkehr vom traditionellen Hausbauen dar. Es ist ein Beispiel für eine Neuorientierung der Architektur an den fortschrittlichen Bauten Amerikas, insbesondere den Leistungen zweier Protagonisten der Moderne, Mies van der Rohes und Richard Neutras, wobei der Bau in Verbindung mit dem auf den Wohnbau übertragenen konstruktiven Prinzip des Faltwerks einen sehr individuellen, eigenwilligen Charakter erhält. Für die Stadt Köln gehört das Haus, ähnlich wie die Wohnbauten von Gottfried Böhm, O. M. Ungers oder Joachim Schürmann zu den besonders wichtigen Zeugnissen für moderne Architektur nach 1945; es ist aber auch als Schaffenswerk des bekannten Kölner Architekten Peter Neufert von Bedeutung. Wesentlich für das Gesamterscheinungsbild ist dabei auch die im Sinne der Gartenarchitektur der Zeit naturnah gestaltete Gartenanlage - ursprünglich ohne Einfriedung -, die sich mit der Architektur zu einer untrennbaren Einheit zusammenfügt.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0