Wohnhaus mit Garten
Am Zehnpfennigshof 9 · Hahnwald
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7885 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus mit Garten |
| Adresse | Am Zehnpfennigshof 9, 50996 Köln |
| Baujahr | 1961 bis 1962 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 17.06.1996 |
| Stadtteil | Hahnwald |
Sogenanntes "Haus X 1"; erbaut 1961-62; Architekt: Peter Neufert; ein- zweigeschossiges Einfamilienwohnhaus über querrechteckigem Grundriß mit Schwimmbad und überdachtem Parkplatz; Stahlbetonschalenbau in Form einer Klothoide.
Nordfront: in Form eines großräumigen kubischen, innen zumeist hohlen Reliefs gestaltet (Balkone in Beton, Kuben aus Novoplan-Platten mit Kunststoffbeschichtung); farbig gefaßt (1994 Rost-Rot); unregelmäßige Durchfensterung mit variierenden Fenstergrößen;
Südfront: durch Stahlrahmenwerk gerasterte, verglaste Gartenfront (4 vertikale Stützenpaare, quergespannter Horizontalträger); Längsseiten: durch nach oben aufgekantete Betonschale (Kanten ruhen auf Widerlagern, untereinander durch Spannbetonzugbänder verbunden) gestaltet.
Innen original: Grundrißdisposition aus der Erbauungszeit: u.a. Wohn- bzw. Besprechungshalle mit Empore (Treppe mit auskragenden Kunststeinstufen, filigranes Metallgeländer) und Kamin (versenkter Kaminsitzplatz); Emporenunterseite holzverkleidet; Nord-Süd-Wand aus längsgelegten Basaltstelen gemauert.
Bestandteile des Denkmals sind auch der überdeckte Parkplatz, das Schwimmbad an der Süd-West-Ecke des Hauses (wasserdichter Stahlbeton) und die das Haus umgebende Gartenanlage.
Der Villenvorort Hahnwald entstand ab 1929 auf Initiative des Immobilien-Kaufmanns Ernst Leybold- dem Gründer der Marienburg- und des Architekten Theodor E. Merill auf dem Gebiet der Gemeinde Rondorf. In den 20er und 30er Jahren, vor allem aber nach dem 2. Weltkrieg haben hier bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architekten Wohn- und Landhäuser, umgeben von ausgedehnten gärtnerischen Anlagen, errichtet. Neben eher konventionellen Villen finden sich überraschende und neuartige Vertreter der Moderne, wodurch sich dieser Vorort als architekturhistorisch interessantes Wohngebiet erweist.
Das o.g. Objekt ist integraler Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen Ensembles "Villenvorort Hahnwald". Durch die Vielzahl der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vorortes Hahnwald seine spezifische Ausprägung.
Als Wohnhaus des Architekten Peter Neufert BDA kommt dem o.g. Objekt aufgrund seiner außergewöhnlichen Formgebung besondere Bedeutung zu, da es eine Lösung der Bauaufgabe "Wohnhaus" anbietet, die sich von den üblichen Formulierungen grundlegend unterscheidet. Die Dominanz der Dachschale, bestehend aus "relativ leicht bewehrtem Schwerbeton", läßt zunächst eher an einen Hangar denn an ein Wohnhaus denken, weshalb sich das Haus aus dem überwiegend durch eine klassisch-gediegene Bauweise geprägtem Villenviertel heraushebt.
Inmitten einer großzügigen Gartenanlage liegend, entwickelt das Gebäude eine Eleganz, die sich aus der Leichtigkeit der Konstruktion, dem Schwung der Dachschale und der dynamischkubischen Komposition der Eingangsfront ergibt. Durch die Abkantung des Daches und dessen Lagerung auf optisch schlanken Widerlagern (tief im Boden verankert) wird der Eindruck der lastenden Schwere in eine schwebende Leichtigkeit umgewandelt. Dieser Eindruck wird durch eine großflächige Verglasung der Gartenfront und das partiell in den Innenraum einbezogene Wasserbecken unterstützt. Als Kontrast zu dieser großzügig geöffneten Gartenfront, die den privaten, der Zufahrt abgewandten Teil des Gebäudes charakterisiert, bietet die kubisch gestaltete, kleinteilig durchfensterte Eingangsfront einen geschlossen wirkenden Eindruck.
Dieser äußeren Erscheinung entsprechend sind die Räume im Inneren angeordnet: Wohn- und Arbeitsräume öffnen sich zum Garten hin, während die Schlafräume, die Küche und Anrichte entlang der Eingangsfront nach Norden ausgerichtet sind.
Ausgehend von den außergewöhnlichen Mitteln zur Baugestaltung des Außenbaus - die Gesamterscheinung wirkt wie eine Großplastik - erreicht der Architekt im Hinblick auf die Grundrißdisposition eine optimale, funktional ausgerichtete Raumausnutzung. Die differenzierten Raum- und Funktionsformen werden durch die Konstruktion der Schalenform, die den Vorteil hat eine große Fläche stützenlos zu überspannen, ermöglicht. Als einem in seiner Formgebung, Innenraumgestaltung und technischen Ausführung außergewöhnlichen Gebäude stellt das o.g. Objekt einen wesentlichen Beitrag zur Formulierung neuer Wohnformen.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0