Wohnhaus
Chamissostraße 8 · Neuehrenfeld
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7802 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Chamissostraße 8, 50825 Köln |
| Baujahr | 1912 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 15.03.1996 |
| Stadtteil | Neuehrenfeld |
Erbaut 1912; Bauherr: Maurermeister A. Pöttgen; Fassade: heute 3 Geschosse, ausgebautes Satteldach (ehemaliges Dachgeschoß nach Kriegsschaden als Vollgeschoß wiederaufgebaut); 2 Achsen (Eingang Mitte rechts); rechte Achse mit Dreierfenstern; Putzfassade (Putz 1974 erneuert) mit Werksteinrahmung des Eingangsbereiches; Fassadenrhythmisierung durch eingeschossigen Erker (im Winkel zum Nachbarhaus) mit Balkon (Brüstungsabschluß erneuert); Fenster/Eingangstür erneuert.
Rückfront: 3 Achsen; verputzt; Balkon im EG links (Hochparterre) mit erneuertem Aufgang/Geländer; Mittelachse vorgestuft (spätere Badezimmeranbauten); EG rechts mit Wintergarten; 1.OG rechts Balkon; zurückgestufter Balkon im 2.OG rechts; Teil des Kellergeländers/Kellertür original.
Innenausstattung: durch Kriegszerstörung keine originale Innenausstattung erhalten; Treppenhaus verkleinert, dadurch veränderte Grundrisse; komplett neue Zimmertüren.
Bestandteile des Denkmals sind auch der Vorgarten mit originaler Einfriedung (verputzter Sockel und Pfeiler mit Metalleinfriedung) und der rückwärtige Garten.
Die städtebauliche Entwicklung Ehrenfelds zu einem Vorort im Nordwesten Kölns begann um die Mitte des 19. Jahrhunderts südlich der Köln-Aachener Bahnlinie, mußte jedoch schon in der ersten Hälfte der 1870er Jahre des letzten Jahrhunderts infolge zahlreicher industrieller Ansiedlungen und daraus resultierender zügiger baulicher Erschließung um Gebiete nördlich der Bahntrasse erweitert werden. Erste Erschließungsansätze lagen an der Otto- und Overbeckstraße, die von der Subbelrather Straße her entwickelt wurden und gegen Ende des 19. Jahrhunderts bis an die Nußbaumerstraße geführt waren.
Die Anlage des großen Schlacht- und Viehhofes nördlich der Eisenbahnlinie an der Liebigstraße erwies sich dann als siedlungsförderndes Element. Zwischen dem vom Stadtverordneten Franz Zilkens gestifteten Bauplatz für St. Anna (1896 erbaut) und der fast gleichzeitigen Stiftung von Alois Anton Schlösser am Simarplatz (hier wurde wenig später St. Peter errichtet) entwickelte sich nach der Jahrhundertwende eine zügige Bebauung, u.a. entlang der Chamissostraße, die die Verbindung zwischen der gleichzeitig bebauten Eichendorffstraße und der Nußbaumerstraße herstellt.
Von besonderer Bedeutung für das einheitlich wirkende Straßenbild der Chamissostraße sind deren systematisch angeordneten Hausgruppen, wobei das o.g. Objekt integraler Bestandteil einer aus drei einander spiegelbildlich zugeordneten Haustypen bestehenden Gruppe ist. Das o.g. Objekt war ursprünglich mit dem Nachbarhaus Nr. 6, und den Häusern Nr. 14 und 16 baugleich.
Auffällige Mermale des Ensembles sind der reduzierte Schmukkaufwand und die Betonung der Kubatur (Erker, glatt verputzte Wandflächen, markante Dachformen und -aufbauten). Dies ist nicht etwa ein Hinweis auf eine finanzschwache Erstbewohnerschaft, sondern spiegelt vielmehr die um diese Zeit aufkommende Vorliebe für schlichter und strenger wirkende Formen, die als Reaktion auf die mitunter überaus reich geschmückten und zuweilen als überladen empfundenen Gründerzeitfassaden zu verstehen ist.
Der Stadtverordnete Zilkens hatte es verstanden, eine schnelle Bauentwicklung in Subbelrath einzuleiten. Bereits 1901 leistete er durch preisgünstige Grundstücksübereignungen an die "Ehrenfelder Arbeiterwohnungsgenossenschaft" (heute: "Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft Ehrenfeld") einen weiteren wichtigen Siedlungsanreiz. So wurde die stadtauswärts gelegene Seite der Chamissostraße 1903/04 genossenschaftlich bebaut.
Zilkens war nun um die Schaffung weiterer attraktiver Wohngegenden bemüht, wobei dieses Anliegen durch zwei städtische Planungen maßgeblich unterstützt wurde. Zum einen war dies der 1910 geplante und bis 1913 fertiggestellte Blücherpark und zum anderen die Anlage des Ehrenfeldgürtels, dessen Verlauf um die Jahrhundertwende herum festgelegt worden war und in Ehrenfeld um 1910 angelegt und schnell bebaut wurde.
Das o.g. Objekt ist im Krieg schwer beschädigt worden und nach dem Krieg im Dachbereich und Inneren verändert wiederaufgebaut worden. Wesentliche Elemente jedoch, wie der werksteinverkleidete Eingangsbereich, der Standerker und die Fassadenrhythmisierung durch Dreierfenster sind erhalten geblieben, so daß der geschlossene Gesamteindruck der Gebäudezeile erhalten bleibt, weshalb das Gebäude trotz nicht unerheblicher Veränderungen für das Verständnis des städtebaulichen Gesamtzusammenhanges unverzichtbar bleibt und unbedingt zu erhalten ist.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0