Wohnhaus
Chamissostraße 16 · Neuehrenfeld
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7867 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Chamissostraße 16, 50825 Köln |
| Baujahr | 1912 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 15.05.1996 |
| Stadtteil | Neuehrenfeld |
Erbaut 1912; Bauherr: Maurermeister A. Pöttgen.
Fassade: 2 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß (links Gaube mit originaler Verschieferung, rechts Zwerchhaus mit Schopfwalmdach); 2 Achsen; Putzfassade; Keller-/EG-Sockel mit Natursteinverkleidung; eingezogener Zugangsbereich rechts (Bodenfliesen erneuert); Treppenhausachse (rechts) mit Dreierfenstern; Eingangstür original/Fenster in Holz unter Berücksichtigung der originalen Aufteilung erneuert (außer Fensterchen neben der Eingangstür, WC-Fenster EG, Giebelfensterchen DG).
Rückfront: 2 Achsen; verputzt; links Balkon mit originalem Metallgitter (darunter Abgang in den Keller); rechts großflächiges Fenster mit Fenstertür (Treppe mit originalem Metallgeländer in den Garten-/Hofbereich) im EG; im 1./2.OG loggia-artige Balkone mit originalen Metallgeländern; Dachgaube links neu verkleidet (in der Substanz original); Fenster/Fenstertüren (außer Kellertür) in Holz erneuert (unter Berücksichtigung der originalen Aufteilung).
Innen original: alle Grundrisse; komplette hölzerne Treppenanlage (dreiläufig) mit gedrehten Geländerstäben und Handlauf; verglaste zweiflüglige Windfangtür (übergiebelt, mit Rundfenster); alle Zimmer- und Zwischentüren (hohe Türen mit Verglasungen zwischen Garten- und Straßenzimmern auf allen Geschossen) mit z.T. übergiebelten Rahmen und profilierten Laibungen (Zwischentüren); Türbeschläge im 1./2.OG; komplette Stuckausstattung (profilierte Deckenrahmungen und repräsentatives Stuckornament); Speicher-, Dachkammer- und Kellertüren; Wandschrank in der Küche.
Bestandteile des Denkmals sind auch der Vorgarten mit Einfriedung (Sockel mit Pfeilern und Metallgeländer), die rückwärtigen Wangenmauern (seitliche Hofeinfassung) und der rückwärtige Garten.
Die städtebauliche Entwicklung Ehrenfelds zu einem Vorort im Nordwesten Kölns begann um die Mitte des 19. Jahrhunderts südlich der Köln-Aachener Bahnlinie, mußte jedoch schon in der ersten Hälfte der 1870er Jahre des letzten Jahrhunderts infolge zahlreicher industrieller Ansiedlungen und daraus resultierender zügiger baulicher Erschließung um Gebiete nördlich der Bahntrasse erweitert werden. Erste Erschliessungsansätze lagen an der Otto- und Overbeckstraße, die von der Subbelrather Straße her entwickelt wurden und gegen Ende des 19. Jahrhunderts bis an die Nußbaumerstraße geführt waren.
Die Anlage des großen Schlacht- und Viehhofes nördlich der Eisenbahnlinie an der Liebigstraße erwies sich dann als siedlungsförderndes Element. Zwischen dem vom Stadtverordneten Franz Zilkens gestifteten Bauplatz für St. Anna (1896 erbaut) und der fast gleichzeitigen Stiftung von Alois Anton Schlösser am Simarplatz (hier wurde wenig später St. Peter errichtet) entwickelte sich nach der Jahrhundertwende eine zügige Bebauung, u.a. entlang der Chamissostraße, die die Verbindung zwischen der gleichzeitig bebauten Eichendorffstraße und der Nußbaumerstraße herstellt.
Von besonderer Bedeutung für das einheitlich wirkende Straßenbild der Chamissostraße sind deren systematisch angeordneten Hausgruppen, wobei das o.g. Objekt integraler Bestandteil einer aus drei einander spiegelbildlich zugeordneten Haustypen bestehenden Gruppe ist. Das o.g. Objekt ist baugleich mit dem Gebäude Nr. 6.
Auffällige Mermale des Ensembles sind der reduzierte Schmukkaufwand und die Betonung der Kubatur (Erker, glatt verputzte Wandflächen, markante Dachformen und -aufbauten). Dies ist nicht etwa ein Hinweis auf eine finanzschwache Erstbewohnerschaft, sondern spiegelt vielmehr die um diese Zeit aufkommende Vorliebe für schlichter und strenger wirkende Formen klassizistischer Provenienz, die als Reaktion auf die mitunter überaus reich geschmückten und zuweilen als überladen empfundenen Gründerzeitfassaden zu verstehen ist.
Der Stadtverordnete Zilkens hatte es verstanden, eine schnelle Bauentwicklung in Subbelrath einzuleiten. Bereits 1901 leistete er durch preisgünstige Grundstücksübereignungen an die "Ehrenfelder Arbeiterwohnungsgenossenschaft" (heute: "Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft Ehrenfeld") einen weiteren wichtigen Siedlungsanreiz. So wurde die stadtauswärts gelegene Seite der Chamissostraße 1903/04 genossenschaftlich bebaut.
Zilkens war nun um die Schaffung weiterer attraktiver Wohngegenden bemüht, wobei dieses Anliegen durch zwei städtische Planungen maßgeblich unterstützt wurde. Dies war zum einen der 1910 geplante und bis 1913 fertiggestellte Blücherpark und zum anderen die Anlage des Ehrenfeldgürtels, dessen Verlauf um die Jahrhundertwende herum festgelegt worden war und in Ehrenfeld um 1910 angelegt und schnell bebaut wurde.
Für den geschlossenen Gesamteindruck des Ensembles und das Verständnis des städtebaulichen Gesamtzusammenhangs ist das o.g. Objekt daher unverzichtbar und unbedingt zu erhalten.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0