Wohnhaus

Chamissostraße 18 · Neuehrenfeld

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7840
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Chamissostraße 18, 50825 Köln
Baujahr1912
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 18.04.1996
Stadtteil Neuehrenfeld

Erbaut 1912; Bauherr: Maurermeister A. Pöttgen.

Fassade: giebelständig, mit polygonal gebrochenem Vorbau links; 2 Geschosse, ausgebautes Mansardgiebeldach; Putzfassade (Putz erneuert) mit Elementen des Spätklassizismus ländlicher Prägung (Ornament im 1.OG) und des Jugendstil (asymmetrische Fassadenkomposition); Keller-/EG-Sockel in Naturstein; eingezogener Zugangsbereich rechts (durch Säule abgefangen, Wandfliesen erneuert, Bodenfliesen original); Eingangstür/Fenster original (Verglasungen erneuert).

Rückfront: verputzt; links vorgestuft (über abgeschrägte Ecke an das Vorderhaus angeschlossen); rechts Wintergarten (EG)/Loggien (1./2.OG) mit originalen Holzgeländern (im 2. OG rundbogig überfangen und mit Giebel überhöht; Giebelfeld mit 3 kleinen originalen Fenstern); Dach verschiefert; Fenster/Fenstertüren (weitgehend mit Beschlägen) original (außer ein Garten- und Badezimmerfenster EG); Kellertür mit Beschlag original; Terrasse (dem Wintergarten vorgelagert) vor 1939 leicht verändert.

Innen original: Treppenhaus: Bodenfliesen im Eingangsbereich; Terrazzotreppe zum Hochparterre; hölzerne Treppenanlage (Belag erneuert) mit geschnitztem Antrittspfosten, Geländerstäben und Handlauf; Kellertür (mit Beschlag), Wohnungseingangstüren, Dachgeschoßtür; Speichertreppe; Wohnungen: EG: Grundriß (außer Wand Küche/WC); zweiflüglige Tür zum Wohnraum/2 Zimmertüren (alle mit Verglasungen); übergiebelte Türrahmen/Laibungen; Oberlichter der Gartenfenster (erneuerte Originalfenster im Keller gelagert); Stukkaturen (hervorzuheben: 5 ornamental gefaßte Glühlampenhalter im Gartenzimmer aus der Erbauungszeit); 1./2.OG: Grundrisse; Zimmertüren mit Beschlägen/Rahmen/Laibungen; Gartenzimmer mit Stuckausstattungen.

Veränderungen: DG im Krieg teilweise zerstört; Wiederaufbau entsprechend dem Vorkriegszustand.

Bestandteile des Denkmals sind auch der Vorgarten mit Einfriedung (Sockel mit Pfeilern und Metallgeländer) und der rückwärtige Garten.

Die städtebauliche Entwicklung Ehrenfelds zu einem Vorort im Nordwesten Kölns begann um die Mitte des 19. Jahrhunderts südlich der Köln-Aachener Bahnlinie, mußte jedoch schon in der ersten Hälfte der 1870er Jahre des letzten Jahrhunderts infolge zahlreicher industrieller Ansiedlungen und daraus resultierender zügiger baulicher Erschließung um Gebiete nördlich der Bahntrasse erweitert werden. Erste Erschließungsansätze lagen an der Otto- und Overbeckstraße, die von der Subbelrather Straße her entwickelt wurden und gegen Ende des 19. Jahrhunderts bis an die Nußbaumerstraße geführt waren.

Der Stadtverordnete Zilkens hatte es verstanden, eine schnelle Bauentwicklung in Subbelrath einzuleiten. Bereits 1901 leistete er durch preisgünstige Grundstücksübereignungen an die "Ehrenfelder Arbeiterwohnungsgenossenschaft" (heute: "Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft Ehrenfeld") einen weiteren wichtigen Siedlungsanreiz. So wurde die stadtauswärts gelegene Seite der Chamissostraße 1903/04 genossenschaftlich bebaut.

Zilkens war nun um die Schaffung weiterer attraktiver Wohngegenden bemüht, wobei dieses Anliegen durch zwei städtische Planungen maßgeblich unterstützt wurde. Dies war zum einen der 1910 geplante und bis 1913 fertiggestellte Blücherpark und zum anderen die Anlage des Ehrenfeldgürtels, dessen Verlauf um die Jahrhundertwende herum festgelegt worden war und in Ehrenfeld um 1910 angelegt und schnell bebaut wurde.

Die Anlage des großen Schlacht- und Viehhofes nördlich der Eisenbahnlinie an der Liebigstraße erwies sich dann als siedlungsförderndes Element. Zwischen dem vom Stadtverordneten Franz Zilkens gestifteten Bauplatz für St. Anna (1896 erbaut) und der fast gleichzeitigen Stiftung von Alois Anton Schlösser am Simarplatz (hier wurde wenig später St. Peter errichtet) entwickelte sich nach der Jahrhundertwende eine zügige Bebauung, u.a. entlang der Chamissostraße, die die Verbindung zwischen der gleichzeitig bebauten Eichendorffstraße und der Nußbaumerstraße herstellt.

Von besonderer Bedeutung für das einheitlich wirkende Straßenbild der Chamissostraße sind deren symmetrisch angeordneten Hausgruppen, wobei das o.g. Objekt integraler Bestandteil einer aus drei einander spiegelbildlich zugeordneten Haustypen bestehenden Gruppe ist. Das o.g. Objekt ist baugleich mit dem Gebäude Nr. 4.

Auffällige Mermale des Ensembles sind der reduzierte Schmukkaufwand und die Betonung der Kubatur (Erker, glatt verputzte Wandflächen, markante Dachformen und -aufbauten). Dies ist nicht etwa ein Hinweis auf eine finanzschwache Erstbewohnerschaft, sondern spiegelt vielmehr die um diese Zeit aufkommende Vorliebe für schlichter und strenger wirkende Formen klassizistischer Provenienz, die als Reaktion auf die mitunter überaus reich geschmückten und zuweilen als überladen empfundenen Gründerzeitfassaden zu verstehen ist.

Dem o.g.Objekt kommt aufgrund seiner das Gesamtensemble rahmenden Funktion und der hochaufragenden, vielgestaltigen Fassade ein besonderer Stellenwert innerhalb des weitgehend intakten Straßenbildes zu. Gemeinsam mit den Mittelbauten (Chamissostr. 10 und 12) rhythmisieren die beiden Kopfbauten die Gebäudezeile. Für den geschlossenen Gesamteindruck des Ensembles und das Verständnis des städtebaulichen Gesamtzusammenhangs ist das o.g. Objekt daher unverzichtbar und unbedingt zu erhalten.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0