Wohn- u. Geschäftshaus
Nußbaumerstraße 63 · Neuehrenfeld
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7916 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Nußbaumerstraße 63, 50823 Köln |
| Baujahr | um 1910 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 18.07.1996 |
| Stadtteil | Neuehrenfeld |
Erbaut um 1910; Fassade: 4 Geschosse, ausgebautes Satteldach (3 erneuerte Gauben); 3 Achsen (Eingang rechts; Zugang Ladenlokal Mitte links; Tordurchfahrt links); Putzfassade mit Stuckgliederung des Jugendstil: großflächig angelegter floraler Stuck (besonders auffällig unterhalb des profilierten Traufgesimses), profilierte Fensterrahmungen und -verdachungen; Mittenbetonung durch leichtes Vorstufen der Fassade (gekoppelte Fenster); Horizontalgliederung durch verkröpfte Geschoß- und Sohlbankgesimse; EG mit geritzten Lagerfugen; Türen und Fenster (großflächige Holzfenster mit Oberlicht) erneuert; gußeiserne Säule im Schaufensterbereich entfernt; zweiflügliges Holztor original.
Rückfront: 4 Achsen (Treppenhaus/WCs links vorgestuft); backsteinsichtig; (abgemauerte Stichbögen aus gelbem Backstein), neu verfugt; Hoftür/Fenster erneuert (Holz).
Innen original: Eingangsflur: Terrazzoboden mit Mittelornament und Bordüre; hölzerne Wandleiste; Treppenhaus: Terrazzoboden mit Bordüre; Betontreppe; erneuerter Antrittspfosten; gedrehte Geländerstäbe mit Metallbuchsen; Holzhandlauf; Wohnungstüren im EG (1), 2.OG (2) und DG (kassettiert, mit Laibung und Rahmen); alle WC-Türen; Wohnungen: Grundrisse (außer Badeinbau); EG: 1 Zimmertür; 1.OG: 2 Zimmertüren mit profilierten Rahmen (eine mit Beschlag), 1 Zimmertür mit Laibung und Rahmen; ein Türrahmen zwischen Küche und mittlerem Straßenzimmer; mittleres Straßenzimmer mit Stuckkehle und -ornament; linkes Straßenzimmer mit doppelter Stuckleiste; 2./3.OG: Zimmertüren teilweise erneuert, teilweise original; DG: Dachstuhl weitgehend original.
Hofbebauung: 2 zweigeschossige Backsteinbauten mit flach geneigten Pultdächern auf unregelmäßigen Grundrissen (dem Parzellengrundriß folgend); Zugang zu den Obergeschossen über außenliegende Metalltreppe (original); Tor im EG original; eine originale Außentür und ein originales Fenster im OG.
Bestandteil des Denkmals ist auch die noch erhaltene Hofmauer. Nicht Bestandteile des Denkmals sind die 3 Garagen im Hofbereich.
Die städtebauliche Entwicklung Ehrenfelds zu einem Vorort im Nordwesten Kölns beginnt um die Mitte des 19. Jahrhunderts von der Venloer Straße aus in nördlicher Richtung in Höhe der Philipp- und Leostraße. Bis zu seiner Eingemeindung im Jahr 1888 gewann Ehrenfeld infolge zahlreicher industrieller Ansiedlungen rasch an Bedeutung. Im Verlauf der daraus resultierenden zügigen Erschließung weiterer Bereiche Ehrenfelds wurden verstärkt Anstrengungen zur Erschließung neuer Wohnbereiche nördlich der Köln-Aachener Bahnlinie unternommen. Erste Ansätze datieren in die frühen 1870er Jahre (Ottostraße). Doch erst mit der Anlage des Schlacht- und Viehhofes nördlich der Eisenbahnlinie (Eröffnung 1895) kommt es zu einer endgültigen Wohngebietserweiterung von Alt-Ehrenfeld nach Norden.
Zwischen dem vom Stadtverordneten Franz Zilkens gestifteten Bauplatz für St. Anna und der Stiftung von Alois Anton Schlösser am Simarplatz (hier wurde St. Peter errichtet) entwickelte sich nach der Jahrhundertwende eine zügige Bebauung, unter anderem entlang der Nußbaumerstraße im Bereich zwischen dem Ehrenfeldgürtel und der Iltisstraße.
Zilkens war hier um die Schaffung einer attraktiven Wohngegend bemüht, wobei zwei städtische Planungen sein Anliegen unterstützten. Dies war zum einen der 1910 geplante und bis 1913 fertiggestellte Blücherpark und zum anderen die Anlage des Ehrenfeldgürtels, der in seinem Verlauf um die Jahrhundertwende von der Stadt Köln festgelegt und um 1910 herum angelegt und schnell bebaut wurde. In diesem zeitlich-räumlichen Rahmen wurde auch das o. g. Objekt, das mit dem Nachbargebäude Nr. 61 eine bauliche Einheit bildet, errichtet und ist als integraler Bestandteil der ursprünglichen, nur wenig veränderten Bebauung prägend für das Straßenbild der Nußbaumerstraße.
Auffälligstes Gestaltungsmerkmal ist der reiche florale und figurative Stuck der Fensterbrüstungen im 1.OG und der Wandfläche unterhalb des Traufgesimes, der von hoher gestalterischer Qualität ist. Als weiteres Gliederungselement sind die stark profilierten Gesimse zu erwähnen, die das sockelartige EG, das 1. und 2.OG und das 3.OG deutlich voneinander trennen. Diese Horizontalität der Fassade erfährt durch die erker-artige Betonung der Mittelachse und die im 1. und 2.OG vertikal zusammengefaßten Fenster einen wirkungsvollen kompositorischen Ausgleich.
Von gewisser Bedeutung ist auch die Hofbebauung des o.g. Objektes, die aus der Erbauungszeit des Vorderhauses stammt und auf eine ehemalige landwirtschaftliche Nutzung zurückgeht, was auf die damals noch ländlich geprägte Vorortlage Subbelraths verweist. Als unverzichtbares bauliches Dokument dieser stadtteilspezifischen Entwicklung ist das o.g. Objekt unbedingt zu erhalten.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0