Wohnhaus

Stolzestraße 6 · Neustadt/Süd

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8328
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Stolzestraße 6, 50674 Köln
Baujahrum 1904
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 27.05.1998
Stadtteil Neustadt/Süd

Um 1904 erbaut, Vorder- und Hinterhaus auf rechteckiger Grundfläche mit zwischengeschaltetem Seitenflügel.

Fassade: Fünf Geschosse und ausgebautes Dachgeschoß (Vorderhaus nach Kriegszerstörung in den Bereichen des Daches, teilweise der Geschoßdecken und der nichttragenden Mauern wiederaufgebaut); vier Achsen; Putzfassade mit Stuckgliederungen im Jugendstil (im Erdgeschoß und ersten Obergeschoß teilweise verändert); auf originalen Eisenkonsolen vorkragendes Dach; Hauseingang in der rechten Achse leicht zur Gebäudekante verschoben, verändert mit geradem Sturz; Fensteröffnungen stichbogig, im vierten Obergeschoß rechteckig, Fenster erneuert (Holz und Kunststoff).

Hofseite: Fassaden backsteinsichtig, stichbogige Hoftür- und Fensteröffnungen, Hoftür original, Fenster teilweise original.

Rückseite des Hinterhauses: Fassade backsteinsichtig, vier Achsen, in der zweiten Achse von links ursprünglich Balkone, stichbogige Fensteröffnungen, Fenster original.

Im Inneren original: Im Eingangsbereich und Treppenhaus Terrazzoboden, Terrazzotreppe mit schmiedeeisernem Geländer und Holzhandlauf, stichbogige Wohnungstür mit Oberlicht im ersten Obergeschoß; weitgehend Wohnungsgrundrisse, Dielenböden, im Hinterhaus teilweise Zimmertüren.

Die Kölner Neustadt, die seit 1881 bis in den Beginn des 20. Jahrhunderts unter Josef Stübben als Stadtbaumeister und nach seinen Plänen halbkreisförmig um das alte Stadtgebiet angelegt worden ist, gilt als eine der bedeutendsten Stadterweiterungen des 19. Jahrhunderts. Sie entstand von Anfang an nicht als einheitlicher Stadtteil, sondern als Gefüge verschiedenartiger Wohnviertel entlang der Ringstraße als repräsentativem Boulevard.

Die Stolzestraße liegt in einem als Arbeiterwohnbereich gekennzeichneten Gebiet zwischen Zülpicher Straße und Eifelstraße. Die nahe Bahntrasse bestimmte zum einen den Verlauf der Gabelsberger Straße, die mit der Stolzestraße und der Luxemburger Straße einen dreieckigen Häuserblock berenzt, zum anderen die soziale Struktur der Bevölkerung. Entsprechend erfolgte die Bebauung für die hier ansässigen Bewohner unterer Schichten mit hohen Mietwohnhäusern einfachen Standards. Die hohe Flächenausnutzung wird noch heute an den aus der Gründerzeit erhaltenen Bauten deutlich, die eine dichte Hinterhofbebauung aufweisen.

Trotz grundsätzlich schlichter Bauweise ohne vortretende Bauteile zeichnet sich die straßenseitige Fassade des o. g. Gebäudes durch einen für die Entstehungszeit um 1904 und den Jugendstil typischen Abwechslungsreichtum der Schmuckformen aus. Unterschiedliche rauhe und glatte Putzstrukturen beleben die Fassadengestaltung. Darüber hinaus wird die Gliederung durch Stuckornamentik in floralen, für den Dekorationsstil charakteristischen Motiven und durch Zierbänder aus Fliesen geprägt. Ursprünglich waren Erdgeschoß und erstes Obergeschoß durch Stuckquaderung und Rillenputz in Übereinstimmung mit dem nahezu identisch augebildeten, heute leider völlig veränderten Nachbarhaus Nr. 8 gestaltet. Die schmiedeeisernen Konsolen unter dem stark vorkragenden Dach sind bei beiden Häusern noch vorhanden und erinnern an die ursprüngliche Situation der zwillingsartigen Bauten. Zusammen mit den erhaltenen Baudenkmälern der Straße, dem unmittelbar gegenüberliegenden Canisiushaus Stolzestr. 1 a, den benachbarten Gebäuden Nr. 12 und 4 sowie den an der Ecke zur Gabelsberger Straße liegenden Häusern bildet das o. g. Gebäude Stolzestr. 6 ein städtebaulich wirksames Ensemble der gründerzeitlichen Bebauung. Unter sozial- und bauhistorischen Aspekten ist es ein prägnantes Beispiel für die Ausbauphase der Straße und charakteristisch für das ursprüngliche Erscheinungsbild dieses Neustadtquartiers. Es ist aus den genannten Gründen als unverzichtbares Baudenkmal unbedingt zu erhalten.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0