Wohnhaus
Roonstraße 19 · Neustadt/Süd
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_2102 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Roonstraße 19, 50674 Köln |
| Baujahr | um 1890 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 01.02.1984 |
| Stadtteil | Neustadt/Süd |
Das Gebäude wurde um 1890 als viergeschossiges, dreiachsiges Wohn- und Geschäftshaus mit einer stuckgegliederten Backsteinfassade mit errichtet.
Zwischen der inneren und äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910, ringförmig um die Altstadt, die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici und des Stadtbaumeisters Hermann-Josef Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden. So entstand im Westen vor der Altstadt, zwischen den Ausfallstraßen der Zülpicher Straße und der Lindenstraße, die Achse der Roonstraße mit dem Wohnviertel um den sie einhüftig erweiternden Rathenauplatz. Der mit 100 x 500 m bemessene, rechteckförmige Platz (ehemalige Königsplatz) wurde als zentrale, städtische Parkanlage, der auch die Aufgabe zukam, die Aufstellung der Wagen des Karnevalszugs zu übernehmen, in die Planung aufgenommen. Die Roonstraße, deren Verlauf im Nordwesten durch den Turm der altkatholischen Kirche und im Südosten durch den Turm der Herz-Jesu-Kirche gefaßt ist, findet durch leichten Anstieg des Straßenniveaus in Richtung Barbarossaplatz und den, gegenüber der altkatholischen Kirche, höheren Turm der HerzJesu-Kirche die Nähe der Ringe an.
In der Roonstraße wird an den Enden des Rathenauplatzes auf der gegenüber liegenden Straßenseite der Baumbestand durch eine Baumreihe (heute lückenhaft) aufgegriffen und bis zur Baumgruppe vor dem Turm der altkatholischen Kirche und andererseits bis zu dem Baumbestand um die Herz-Jesu-Kirche weitergeführt.
Beim Entwurf des Hauses wurde auf individuell gestalteten Ausdruck der Geschosse und auf gestalterische Ausnutzung der geringen Gebäudebreite Wert gelegt. Die Achse wurde auf einer schmalen Mauervorlage mit Zwillingsfenstern in allen Geschossen risalitartig vor die Fassade gesetzt. Zudem wurde in dieser Achse am ersten Obergeschoß ein im Grundriß trapezförmiger Balkon mit einer zierlichen Balustrade als Brüstung, am dritten Obergeschoß, seine Höhe betonend, eine Rustika mit Halbkreisbogen-Quaderung um die Zwillingsfenster herum zur Betonung des umgebenden Mauerwerks gesetzt. Das erste Obergeschoß besitzt Halbkreisbogen-Fenster mit Archivolten auf Kämpfergesimsen und als Pilaster ausgebildete Pfeiler zwischen den Fenstern, das zweite Obergeschoß Rechteck-Fenster, dreieckigen Beschlag auf den oberen Ecken, bossenartige Markierung der Lage des Oberlichtkämpfers auf den seitlichen Rahmen und Pfosten der Zwillingsfenster und wiederum Halbkreisbogen-Fenster mit Archivalen, Kämpfern und Schlußsteinen am dritten Obergeschoß. Die Fensterüberdachung übernimmt am ersten Obergeschoß das balkenförmige Stockwerkgesims, gleich der Länge des Fensterbandes und über dem dritten Obergeschoß das kräftig auskragende Dachgesims. Die Längen der durchlaufenden Fensterbankgesimse nehmen die Gesamtbreite des Hauses ein, fassen die Fenstergewände an ihren Fußpunkten zusammen und stellen durch zunehmende Prägnanz und Konstruktionshöhe an den oberen Stockwerken optisch die Einleitung des Dachgesimses her.
Als Dachaufbauten sind beide Brandwände über der Fassade und noch einmal weiter rückwärts, aber wesentlich höher, aufgemauert. Die beiden breit gelagerten Dachgauben nehmen die Symmetrie-Achsen auf dem Fensterpfosten zwischen den beiden rechten Fensterachsen und auf dem Fensterpfosten der gekuppelten Fenster (= Fensterachse ganz links) auf. Die eigenständige Architektur wurde mit Stilelementen der Renaissance entworfen.
Der Fußboden des Treppenhauses besteht aus quadratischen Fliesen mit einem Dekor über den Schnittpunkten der Fugen (im Wechsel und versetzt) aus weißen (griechischen) Kreuzen und blauen Blüten, eingerahmt von einem bandförmigen, stilisierten Flechtwerk. Der Überzug eines craquelée-artigen Scheinfugennetzes vermittelt den Eindruck einer Stickerei. Die zweiläufige Treppenanlage mit Geländer, Handlauf und einem großflächig gedrechselten Antrittspfosten im Erdgeschoß besteht aus Holz.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0