Wohn- u. Geschäftshaus
Hochstadenstraße 27 · Neustadt/Süd
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_2191 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Hochstadenstraße 27, 50674 Köln |
| Baujahr | um 1898 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 09.04.1984 |
| Stadtteil | Neustadt/Süd |
Das Gebäude wurde um 1898 als fünfgeschossiges, dreiachsiges Wohnhaus mit einem Erker und einer Stuckfassade errichtet.
Zwischen der inneren und der äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici und des Stadtbaumeisters Hermann-Joseph Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden.
Die Hochstadenstraße verbindet den Zülpicher Platz an seiner Südecke mit der Luxemburger Straße als Ausfallstraße. Die mit etwa 45 Grad schleifende Einmündung liegt unweit der Eisenbahnüberführung, einem Denkmal der Brückenbauwerke des Eisenbahngürtels. Der Eindruck des Straßenraums entspricht in seinem auf das Wohnviertel zwischen Zülpicher Straße, Roonstraße, Luxemburger Straße und Eisenbahngürtel bezogenen Wohn-Charakter der Kyffhäuserstraße und der Heinsbergstraße. Den optischen Abschluß des Straßenraums bilden jenseits des Zülpicher Platzes das zentral stehende Eckhaus Zülpicher Straße 18, zwischen dem teilweise sichtbaren, aus der Straßenachse gerückten Turm der Herz-Jesu Kirche rechts und einer Gebäudeflucht der Engelbertstraße mit den historischen Häusern Nr. 8 und 12 zur linken Seite und, am gegenüber liegenden Straßenende eine Hauswand der Luxemburger Straße. Die Traufhöhen der vier- bis fünfgeschossigen Altbebauung geht an den verschliffenen Ecken der Kreuzung mit der Kyffhäuserstraße einheitlich in deren Traufhöhe über. Der Querschnitt des Straßenraums als stehendes Rechteck ist gleich dem der übrigen Straßen des Viertels und steht in bewußtem Gegensatz zu der Weite der rings umgebenden Wohn- und Geschäftsstraßen und prachtvollen Platzanlagen.
Den Hintergrund der vorspringenden Stuckprofile bildet an allen Geschossen ein ebenflächiger Stuck mit einem Fugennetz, dessen Lager- und Setzfugen durch unregelmäßige Abstände unregelmäßig große Quaderungen ergeben. Eine Variante dieser Ordnung faßt die Fenster seitlich mit stehenden Quadern (Lang- und Kurzwerk) und auf den Stürzen mit Bogenquaderung ein. Das Erdgeshoß tritt durch leichte Rustizierung und ein abschließendes, kantiges Stockwerkgesims als Erdsokkel des ersten Obergeschosses in Erscheinung, das mit halbkreisförmigen Fensterstürzen und einem die Auflast veranschaulichenden Stockwerkgesims seiner Last tragenden Aufgabe Ausdruck verleiht. Das vierte Obergeschoß bildet durch ein Brüstungsband aus maßwerk-artigen Brüstungsfeldern zwischen ausgeprägt hervortretendem Stockwerk- und Fensterbankgesims und dem weiten Überstand des Traufgesimses den oberen Abschluß der Fassade. Der Erker am zweiten, dritten und vierten Obergeschoß in der Achse ganz links, der also erst oberhalb der tragenden Zone des Erd- und ersten Obergeschosses ansetzt, und dessen Vorsprung mit den genannten Gesimsen in die Fassade eingebunden ist, wiederholt die Dreiteilung der Fassade in kleinerem Maßstab am oberen Teil des Gebäudes. Die damit eindrucksvoll unterstützte, zentralperspektivische Höhenwirkung entspricht der in klassizistischer Tradition von Geschoß zu Geschoß nach oben hin abnehmenden Fensterhöhen. Die Schmuckformen aus der Gotik und dem Barock wurden individuell und Repräsentationsbedürfnis der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entsprechend angewandt.
Der Hausflur besteht aus einem vorderen Teil, einer Einengung durch zwei breite Mauervorlagen und einer hinteren Erweiterung vor dem Treppenaufgang. Die niedrige Decke verläuft durchgehend ohne Unterzug mit einer Hohlkehle zwischen flach profilierten Rändern, welche die drei Teile des Hausflurs zusammenfaßt. Die Deckenfelder der einzelnen Bereiche tragen Deckenspiegel mit eigener Rahmung. Die Läufe der geraden, zwei- und gegenläufigen, linkswendenden Treppe bestehen aus Holz mit Holzgeländer, deren Stabmitten würfelförmig mit Beschlagwerk aus Halbkugeln ausgebildet sind, mit Holzhandlauf und Holzrahmung der Treppenwangen. Am ersten Zwischenpodest des geringen Niveau-Unterschieds zwischen Erd- und erstem Obergeschoß befindet sich ein flacher, aus einer Bohle geschnittener Antrittspfosten, dessen oberer Teil ein stilisierter, wehrhafter Löwenkopf aus dem unteren Teil einer S-förmigen Doppelvolute hervorgeht, im Gegensatz zu dem schlanken, gedrechselten, mit Schnitzwerk versehenen Antrittspfosten im ersten Obergeschoß. Die Treppenhausfenster sind im Original erhalten. Die Flächen der Wohnungsabschlüsse teilt ein hohes Kämpferholz mit oberhalb abschließendem Gesimsprofil horizontal in den unteren Flügelbereich und den Oberlichtbereich ein. Zwei pilaster-artige, skulptierte Pfosten, die sich oberhalb des Kämpfers im Oberlicht fortsetzen, unterteilen die Fläche zu beiden Seiten der Eingangstüre vertikal in einen breiten Mittelteil und zwei schmalere Seitenteile. Türe und Seitenteile tragen in den oberen Dritteln Ornament-Verglasung in Sprossenteilung, mit denselben Horizontalen aufeinander bezogen und im Türflügel eine rahmenartige Sprossenteilung um zwei nebeneinander liegende Quadrate. Unterhalb der Verglasung sind die Elemente der Wohnungsabschlüsse mit Holzfüllungen in reich profilierter Rahmung geschlossen. Die Wohnungen enthalten Deckenstuck, Türen und Türbekleidungen, Bodenholzwerk und originale Fenster, deren äußere Schlagleisten die Form schmaler, skulptierter Pilaster tragen mit nach innen drehenden Voluten als Kapitell.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0